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Projekt: „…dahin wie ein Schatten“ Tag 5 Samstag, 18.09.2021

Projekt: „…dahin wie ein Schatten“ Tag 5 Samstag, 18.09.2021

Samstag, 18.09.2021

 

Am Samstag, dem 18.09, sind wir morgens in das ehemalige KZ Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II) gefahren.K1024 IMG 8734

Unsere erste Station in Birkenau war die sog. Alte Rampe, eine Bahnrampe, dort standen noch zwei Viehwaggons, mit denen Tausende von Menschen nach Birkenau fahren mussten.

Dort legten wir auch – ein alter jüdischer Brauch – unsere von der Ostsee mitgenommenen Steine ab. In diesem Moment und bei dem Gedanken, dass das Leben von so vielen Familien ab diesem Zeitpunkt auf grausame Weise zu enden begann, kamen mir immer wieder die Tränen.K1024 IMG 8731

Hier zwei Steine – einen für die Familie von Frau Atzmon und einen für die Familie von Frau Szepesi. Frau Atzmon und Frau Szepesi waren unsere Gäste am Holocaust-Gedenktag.

 

In Birkenau waren wir als erstes in den Frauenbaracken.

Es war sehr erschreckend zu sehen, wie viele Frauen unter welchen Umständen in den „Betten“, welche mit Glück einfache Holzbretter waren, schlafen und leben mussten. Mit Pech war der Untergrund die kalte Erde, und bei richtig viel Pech, gab es dann noch nicht einmal Stroh zum Wärmen. Es wurden immer drei Etagen übereinander in die Mauern eingelassen. In diesen „Betten“ mussten dann bis zu 9 kranke, verlauste, frierende und abgemagerte Menschen schlafen.

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Nach den Frauenbaracken haben wir uns die Sanitäranlagen angeschaut. Diese Sanitärbaracken gab es nicht von Anfang an, wie wir erfahren haben, waren doch Auschwitz und insbesondere Birkenau ewige Baustellen, die Sanitäranlagen wurden erst sehr spät eingerichtet. Davor gab es Abflussrinnen oder Latrinengruben unterm freien Himmel und überall lag Dreck herum. Der Gestank muss furchtbar gewesen sein.

Am schlimmsten waren für mich die Kinderbaracke. An den Wänden der Kinderbaracke wurden Malereien aufgetragen, damit sich die Kinder „wohler“ fühlen.

K1024 IMG 2824Auch die Kinder mussten genau wie die Frauen unter den gleichen menschenunwürdigen Umständen in solchen Betten leben. Wenn man aber – wie oben geschrieben - Pech hatte, musste man auf dem Lehmboden schlafen, welcher im Winter gefroren war und der ganze Schmutz von den oberen Etagen fiel auf die ganz unten liegenden Kinder herunter.
Die Vorstellung und mit eigenen Augen zu sehen, dass Kinder, getrennt von ihren Müttern, so „leben“ mussten, hat uns alle wirklich schockiert

 

Anschließend sind wir zu den Männerbaracken gegangen. Auf unserem Rundgang beschäftigte uns immer wieder das Thema „Die Schuld des Überlebens“. Denn jeder Bissen Brot, welchen ein Überlebender isst, bekommt ein anderer nicht. Und genau dieser andere hätte vielleicht genau diesen einen Bissen zum Überleben brauchen können. Außerdem plagte Überlebende immer wieder die Frage „Warum ich? – Warum durfte ich überleben und ein anderer nicht? Warum mussten meine Kinder, meine Frau, meine Familie sterben? Und wieso darf ich jetzt weiterleben?“

K1024 IMG 2832Wir haben viel an diesem Tag über Birkenau gelernt, aber was uns alle überwältigt hat, war die Größe dieses Lagers, was unsere Vorstellungen bei weitem übertroffen hat. Wir haben auch begriffen, dass die Qual der Häftlinge dort noch so viel schlimmer gewesen sein muss, als ich es mir jemals vorstellen könnte. Außerdem sind uns Dinge, wie Krankheiten im Lager oder das Zusammenleben mit Insekten, Ratten, Bakterien und vieles mehr, bewusst geworden, über die wir uns vorher gar keine Gedanken gemacht haben.

Ebenso sind wir über die Häftlingshierarchie aufgeklärt worden. Die Häftlinge, die am längsten schon dort waren und die eine sehr niedrige Häftlingsnummer hatten, hatten ein gewisses Ansehen unter den Mithäftlingen. Manche von ihnen haben ihre Macht ausgenutzt, indem sie zum Beispiel bei der Essensausgabe ihren Bekannten als erstes die Suppe gegeben haben. Die Personen zum Schluss bekamen mit Glück eine alte Kartoffelschale oder letze Gemüsestückchen und nur noch die braune Brühe. Daher hatte man als Häftling eine bessere, beziehungsweise höhere Lebenschance, wenn man eine gute Verbindung mit diesen „alten Häftlingen“ pflegte.
K1024 IMG 2834Zwischendurch erzählte uns unser Guide Roland bemerkenswerte und schönere Geschichten von mutigen Menschen, wie zum Beispiel von Adélaide Hautval, die als französische Ärztin in Auschwitz u. a. mit Mengele arbeiten sollte, sich aber weigerte und sich stattdessen für jüdische Häftlinge einsetzte.
Eine weitere Station auf unserem langen Rundgang war das „Theresienstädter Familienlager“. In diesem Teil des Lagers wurden Familien aus dem Vorzeigekonzentrationslager Theresienstadt untergebracht. Für diesen Teil des Lagers hieß es „Sonderbehandlung in 6 Monaten“, das wussten die Insassen aber nicht. Sonderbehandlung ist „Nazisprache“ und bedeutet Vergasung. In dieser Sektion des Lagers Birkenau durften tatsächlich die Familien zusammenbleiben. Der Sinn dahinter war, dass die Familien Postkarten an Verwandte schreiben sollten, in denen stand, dass es ihnen in Birkenau gut ginge. Nach Ablaufen der 6 Monate wurden die Familien dann genauso vergast wie alle anderen Häftlinge.
Wir erfuhren außerdem viel über Freddy Hirsch.

Dieser lebte auch in Birkenau und hat sich sehr um den Kinderblock gekümmert. Freddy Hirsch sollte dann mit den Häftlingen im Familienlager, einen Aufstand organisieren. Doch vor Verzweiflung und Angst diesem Auftrag nicht gewachsen zu sein, nahm er sich das Leben. Daher konnte dieser Aufstand nicht stattfinden.
Danach gingen wir in die den Block der Strafkompanie und in das sogenannte „Zigeunerlager“. Hier hat der bekannteste KZ-Arzt in Auschwitz, Josef Mengele, Kinder der Sinti und Roma für seine pseudomedizinischen Versuche selektiert. Im sog. „Zigeunerlager“ schauten wir uns das dortige Mahnmal an.

 

K1024 IMG 2842Die Juden, die in der Strafkompanie arbeiteten, mussten die vergasten Leichen aus den Krematorien herausholen und ihnen die Goldzähne herausbrechen, ggf. die Haare scheren und sie schließlich in den Öfen verbrennen.

Abends, als wir wieder in der Jugendbegegnungsstätte waren, haben wir uns dann mit der Täterfrage auseinandergesetzt. – Wer waren die Täter? Wie lebten sie? Und vor allem wie kann man Kindern, Frauen und Männern so etwas Unvorstellbares und Grausames antun? Wieso sind Menschen zu solchen Tätern geworden? Wir lernten etwas über Rudolf Höß, Irma Grese, Karl Höcker und Josef Mengele, indem wir uns mit ihren Biografien beschäftigten. Wir lasen auch Auszüge aus den Verhören dieser Täter und waren schockiert, weil alle – sogar der Lagerkommandant Höß – behauptete, er hätte nicht gewusst, was genau in seinem Lager geschieht. Wir waren alle ziemlich nachdenklich.
Anschließend beendeten wir den Abend mit einer kleinen Reflexionsrunde.
Fortsetzung folgt …

LeAnn Diestel und Paula Lücke, 12c

 

Fotogalerie vom 5. Tag 

 

 

 

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