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Holocaust-Gedenktag am OGT 2019

Holocaust-Gedenktag am OGT 2019

Holocaust-Gedenktag am OGT 2019
Am 01.02.2019 besuchte der 85-jährige Jurek Szarf das Ostsee-Gymnasium Timmendorfer Strand bereits zum wiederholten Mal. Er hat den Holocaust überlebt und ist leider nur noch einer der letzten Zeitzeugen, weshalb wir, die Schüler des Q1 und Q2 Jahrgangs, uns besonders geehrt fühlten, an den Erzählungen von Jurek Szarf teilnehmen zu dürfen.


Nachdem die Schülerin Felicitas Dwars ein Lied aus dem Film ,,Schindlers-Liste“ spielte, hielt die stellvertretende Bürgermeisterin Frau Puschaddel-Freitag eine Rede. Im Anschluss hörten wir von der Organisatorin der gesamten Veranstaltung Frau Finke-Schaak eine weitere emotionale Rede. Zudem wurde Herr Szarf seitens der Schüler von Amelie Schwaab begrüßt.
Bevor nun der eigentliche Vortrag begann, sang der ehemalige Pastor Schauer zwei jiddische Lieder, welches das Leid der Juden während der NS-Zeit wiederspiegelte.
Symbolisch für die 6 Millionen ermordeten Juden, haben 6 Schüler, die im Vorjahr an einer Auschwitz-Gedenkstättenfahrt teilgenommen haben, sechs Kerzen angezündet, woraufhin eine Schweigeminute folgte.
Mit seiner offenen und lockeren Art gewann Jurek Szarf sofort die Aufmerksamkeit aller Schüler und begann schließlich mit seiner Leidensgeschichte.
1933 ist Jurek Szarf im polnischen Lodz geboren und verbrachte dort seine Kindheit. Die erste Begegnung mit den Nationalsozialisten erlebte er als kleiner Junge im Mai 1940. Die SS stürmte das Haus seiner Familie und warfen ihn einfach so gegen die Wand, woraufhin er sein Bewusstsein verloren hat. Nachdem er wieder zu sich kam, war das komplette Haus leergeräumt und verwüstet.
Kurz nach seiner Einschulung wurde Jurek Szarf mit seiner Familie, seinen Onkeln und seiner Tante in das Ghetto Lodz gebracht, wo seine Tante ihm nicht nur das Leben rettete, sondern vor allem durch ihr Ansehen bei dem Leiter des Ghettos auch ein, im Verhältnis zu den anderen jüdischen Kindern, ,,sicheres“ Leben ermöglichte, denn Jureks Tante hatte in Deutschland studiert, war somit gebildet und konnte fließend deutsch sprechen.
„Es war sein Hobby morgens mit seinem Cabrio durch die Straßen zu fahren und aus dem Auto heraus Juden zu erschießen“ erzählte uns Jurek Szarf. Dennoch arbeitete seine Tante nun für Hans Biebow als Sekretärin, wodurch sie ihren Neffen vor der Deportation rettete. Von nun an vollzog er Zwangsarbeit im Ghetto. „Ich habe als acht jähriger Tüten geklebt, aber so schlecht, dass die Deutschen am Ende den Krieg verloren haben.“, sagte uns Jurek Szarf und lockerte erneut die bedrückte Atmosphäre auf.
1944 wurden die Ghettos geräumt und viele Juden wurden in verschiedene Konzentrationslager deportiert, woraufhin Jurek Szarf in das KZ Sachsenhausen kam. Auf dem Weg dorthin, wurde Jureks Tante aus dem fahrenden Zug geworfen, da sie zu schwach war und sich noch kaum auf den Beinen halten konnte. Seine Mutter verhungerte im Lager, woraufhin nur noch er, sein Onkel und sein Vater am „Leben“ waren.
Kurz vor Kriegsende wurde Jurek Szarf und seine noch lebende Familie von der Roten Armee gerettet. Auf den Todesschuss wartend, standen die drei mit einigen anderen Häftlingen vor einer Wand. Dieser kam jedoch nicht, sondern die Rote Armee. Die Befreiung bekam Jurek Szarf allerdings nicht mit, da er zuvor aufgrund von Erschöpfung in Ohnmacht fiel.
Nach den Ereignissen des Holocaust, lebte Jurek Szarf für einige Zeit in Amerika und lernte dort seine zukünftige Frau kennen, die aus Deutschland stammte. Aufgrund eines Jobangebots verließ er mit seiner Frau das Land, das ihm eine neue Heimat wurde und kam zurück nach Deutschland und lebt heute in Stockelsdorf.
Herr Szarf geht nun schon seit 20 Jahren von Schule zu Schule und berichtet von seiner Leidensgeschichte, dennoch befindet er sich immer noch in psychiatrischer Behandlung, aufgrund dieser grausamen und nicht zu verarbeitenden Ereignisse. Daher sollten auch für uns diese Ereignisse nie in Vergessenheit geraten, damit sowas nie wieder geschieht.

Rede zum Holocaust-Gedenktag 1. Februar 2019 - Zeitzeuge Jurik Szarf
Sehr geehrte Frau Puschaddel-Freitag, sehr geehrte Frau Passig, sehr geehrte Frau Kielhorn, sehr geehrte Vorsitzende unserer Fördervereine, sehr geehrte Schulelternvertreter, liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen,
Nun schon zum 5. Mal begehen wir am Ostsee-Gymnasium den Holocaust-Gedenktag. Im letzten Jahr hatten wir die große Ehre das Ehepaar Atzmon aus Israel begrüßen zu dürfen. Ihr hattet alle das Glück, den bewegenden Vortrag des Ehepaares hören zu können.
Nun schon zum dritten Mal haben wir ebenfalls die große Ehre, Herrn Jurik Szarf begrüßen zu dürfen. Wir hatten Herrn Szarf auch im letzten Jahr eingeladen, dem Vortrag von Frau Atzmon zuzuhören. Leider erkrankte er und konnte nicht kommen. So habe ich ein Treffen der beiden kurz vor Frau Atzmons Abreise organisiert. Mich hat es sehr berührt, zu erleben, wie sich zwei Menschen begrüßen, die den Holocaust überlebt haben. So fragte Frau Atzmon nicht: „Wo kommen sie her? Was haben Sie beruflich gemacht?“, sondern, „Wo waren Sie?“ – und dann hat Herr Szarf die verschiedenen Lager aufgezählt, die er durchlaufen musste. Frau Atzmon nickte dann nur.
Als ich mit Herrn Szarf diesen heutigen Termin besprach, willigte er sofort ein und sagte sein Kommen zu, so – Zitat: „der liebe Herrgott das denn wolle.“ Im Dezember 2018 wurde Herr Szarf 85 Jahre alt – der Herrgott wollte also, dass er uns heute besucht und uns seine Geschichte des Überlebens erzählt. Herr Szarf wurde 1933 in Lodz, Polen, geboren, er war sechs Jahre alt und stand kurz vor seiner Einschulung, als Deutschland Polen überfiel und damit den Zweiten Weltkrieg auslöste. Er musste also vor seiner Einschulung ins Ghetto in Lodz übersiedeln. Herr Szarf konnte danach nie wieder eine Schule besuchen. Er war in mehreren Konzentrationslagern, seine Häftlingsnummer lautete: 79297 und er wurde 1945 „mehr tot als lebendig“ von sowjetischen und polnischen Soldaten aus dem KZ Sachsenhausen befreit.
Wir haben heute aber noch einen weiteren Ehrengast, Herrn Volker Schauer, den ich auch zum dritten Mal am OGT ganz herzlich begrüßen möchte. Herr Volker Schauer war Pastor in Lübeck. Er ist einer der wenigen in unserem Land, der die jiddische Sprache beherrscht, eine Sprache, in der vor allem osteuropäische Juden kommuniziert haben. Jiddisch ist auch die Muttersprache von Herrn Szarf. Herr Schauer wird im Rahmen dieser Gedenkveranstaltung Lieder und Texte in jiddischer Sprache vortragen.
Seit 1996 begehen wir in Deutschland den 27. Januar, also den Tag, an dem das Vernichtungslager Auschwitz befreit wurde, als nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Dies geht auf die Initiative des verstorbenen Altbundespräsidenten Roman Herzog zurück. Der 27. Januar war in diesem Jahr ein Sonntag – daher begehen wir am OGT in diesem Jahr den Holocaust-Gedenktag am heutigen 1. Februar.
Im Jahre 2005 wurde der 27. Januar von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt – als eine Verpflichtung des Menschen gegenüber dem Menschen.
Welche Bedeutung hat Auschwitz heute im Jahre 2019? Denken wir an die Europäische Union. Ich möchte hier aus dem preisgekrönten Roman von Robert Menasse zitieren. Robert Menasse lässt eine Figur in seinem Roman Die Hauptstadt folgendes sagen: Zitat Anfang
„Die Opfer [er meinte die Opfer von Auschwitz] kamen aus allen Ländern Europas, sie trugen alle dieselbe gestreifte Kleidung, sie lebten alle im Schatten desselben Todes, und sie alle hatten, so sie überlebten, denselben Wunsch, nämlich die für alle Zukunft geltende Garantie der Anerkennung der Menschenrechte. Nichts in der Geschichte hat die verschiedenen Identitäten, Mentalitäten und Kulturen Europas, die Religionen, die verschiedenen so genannten Rassen und ehemals verfeindete Weltanschauungen so verbunden, nichts hat eine so fundamentale Gemeinsamkeit aller Menschen geschaffen wie die Erfahrung von Ausschwitz. Die Nationen, die nationalen Identitäten, das war alles hinfällig, ob Spanier oder Pole, Italiener oder Tscheche, Österreicher, Deutscher oder Ungar, das war alles hinfällig, die Religion, die Herkunft, das alles war aufgehoben in einer gemeinsamen Sehnsucht, dem Wunsch zu überleben, dem Wunsch nach einem Leben in Würde und Freiheit. Die Erfahrung und die Einigkeit, dass sich dieses Verbrechen nie mehr wiederholen darf, haben erst das Projekt der Einigung Europas möglich gemacht.“ (S. 184/185) Zitat Ende.
Was für ein Jahr steht uns bevor? In diesem Jahr feiern wir das 70jährige Bestehen unseres Grundgesetzes. Der erste Satz unseres Grundgesetzes lautet „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Dass dieser Satz der erste Satz unserer Verfassung ist, ist die direkte Antwort auf Auschwitz, dem Ort, in dem die Würde des Menschen nichts, aber auch gar nichts zählte.
EU, das bedeutet mehr als 70 Jahre Frieden. Die ehemaligen Kriegsgegner schlossen sich zunächst auf wirtschaftlicher Ebene zusammen mit dem Ziel, eine dauerhafte Versöhnung der beteiligten Staaten zu erreichen. Kriege zwischen den europäischen Ländern, die womöglich wieder zu einem „Auschwitz“ führen, sollten nie mehr stattfinden. Die Zukunft des europäischen Einigungswerks wird heute von Kräften von innen und von außen in Frage gestellt, ja mehr noch: aktiv untergraben. Und wir werden uns bewusst, Europa ist nicht unumkehrbar, sondern kann auch wieder zerstört werden. Großbritannien will die EU verlassen. In fast allen europäischen Ländern gibt es Strömungen, die sich gegen ein geeintes Europa richten.
Wenn antieuropäische Stimmen laut werden, dann darf Europa und dann dürfen überzeugte Europäerinnen und Europäer nicht schweigen. Im Mai dieses Jahres wird das neue europäische Parlament gewählt. Erstmals in der Geschichte der Europäischen Union könnten Kräfte, die ein gemeinsames Europa ablehnen, die Mehrheit erlangen. Die Erinnerung an Auschwitz ist daher wichtig, um uns zu mahnen, wozu der Mensch fähig ist und daran zu erinnern, dass Friede zwischen den Völkern Europas nicht selbstverständlich ist.
In absehbarer Zeit werden keine Zeitzeugen mehr da sein, die uns Nachgeborenen von den Gräueltaten der Nazis in den vielen Konzentrationslagern berichten können. Und dann – was geschieht dann? Vergessen wir allmählich, was damals passiert ist, ist ja auch schon so lange her. Wir tragen daran doch keine Schuld. Was sind schon diese 12 Jahre der Naziherrschaft in Deutschland – „ein Vogelschiss“ in 1000 Jahren deutscher Geschichte, wie es der AfD-Vorsitzende und Chef der Bundestagsfraktion Alexander Gauland am 2. Juni 2018 auf dem Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach formulierte.
Die Thematisierung des Holocausts werde übertrieben, hört man immer öfter. Ist es so? Zuviel Holocaust?
In Chemnitz wurde Ende August 2018 öffentlich der Hitlergruß gezeigt. Es gibt Gruppierungen in Deutschland, die sogenannten Reichsbürger, die das Grundgesetz nicht anerkennen. Der Judenhass erreicht wieder die Schulhöfe. „Jude“ werde auf Schulhöfen seit Jahren gleichbedeutend mit „Opfer“ verwendet. Jüdische Gemeinden berichten, dass sich viele Jugendliche gar nicht mehr trauen, die Kippa auf der Straße aufzusetzen. Oder sie verdecken sie auf dem Heimweg mit einem Basecap. Stolpersteine, die an ermordete Juden während der Herrschaft der Nationalsozialisten erinnern sollen, wurden am 9. Nov. 2017, also an dem Tag, an dem an die Reichspogromnacht gedacht wurde, aus Gehwegen herausgebrochen. Zuviel Holocaust?
Die Konsequenz: 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlassen Juden erneut Europa. Einer EU-Studie zufolge denkt jeder dritte Jude in Europa über seinen Wegzug aus Europa nach.
Frau Atzmon hat Euch im letzten Jahr gebeten, dass Ihr alle ihre Stimme sein möget, ihr möget Ihre Geschichte weitertragen, wenn sie nicht mehr lebt, niemand von Euch trüge eine Schuld, so Frau Atzmon, aber Ihr seid dann, wenn es keine Überlebenden mehr gibt, in der Verantwortung gegen das Vergessen anzuarbeiten.
Sechs unserer Schüler haben diese Aufforderung sehr ernst genommen. Sie sind zusammen mit Schülern der Cesar-Klein-Schule in Ratekau in die Gedenkstätten der Vernichtungslager Auschwitz und Birkenau gefahren, sie haben das jüdische Viertel in Krakau besucht, sie waren auch in der Fabrik des Fabrikanten Oskar Schindler, viele von Euch kennen Spielbergs Verfilmung Schindlers Liste.
Amelie Schwaab wird gleich stellvertretend für diese 6 Schüler heute am Holocaust-Gedenktag zu Euch sprechen.
Januar 2019, Andrea Finke-Schaak

Rede zum Holocaust-Gedenktag 2019
Auch von der Schülerseite aus eines herzliches Willkommen und auch ein großes Dankeschön, an alle die heute hier sind.
Besonders möchten wir Herrn Szarf, Pastor Schauer und die stellvertretende Bürgermeisterin Frau Puschaddel-Freitag begrüßen und uns für ihr Kommen bedanken.
Bei Frau Fine-Schaak möchten wir uns für die Organisation dieser Veranstaltung bedanken.
Wir möchten auch Herrn Knebel und Frau Düppe, herzlich begrüßen, die uns auf der Fahrt nach Auschwitz begleitet haben und uns herzlich dafür bedanken, dass wir an dieser Fahrt teilnehmen durften.

Wie Frau Finke-Schaak bereits erwähnte, bin ich zusammen mit 5 weiteren Klassenkameraden, im September 2018, nach Auschwitz gefahren.
Wir haben uns unserer Geschichte gestellt.
Nun fragt sich der eine oder andere eventuell: „Warum habt ihr das getan?
Warum seid ihr freiwillig an einen solch grausamen Ort gefahren?
Einen Ort, an dem zu viel Leid passiert ist,
an einen Ort, an dem so viele Menschen ihr Leben verloren haben?“

Ein Grund dafür an diesen Ort zu fahren, war so viel wie möglich über unsere Geschichte zu erfahren.
Seit der 9. Klasse behandeln wir immer wieder das Thema Nationalsozialismus und den 2. Weltkrieg im Unterricht.
Immer wieder fällt auch der Name Auschwitz.
Wir wollten wissen, wie es wirklich ist, vor dem Eingang mit der Überschrift „Arbeit macht frei“ zu stehen, wir wollten es selber fühlen und erleben.
Ich weiß noch, dass wir sehr lange vor dem Schild standen.
Wir waren plötzlich alle ganz still –
und nachdenklich.

Wir wollten wissen, wie es ist, in einem der 5 Krematorien zu stehen und zu wissen,
dass da, wo man gerade steht, Millionen Menschen vergast worden sind.
Das alles zu wissen ist eine Sache, aber dann dort zu stehen und zu versuchen, es sich wirklich bewusst zu machen, was dort alles passiert ist, ist sehr viel schwerer.
Es ging uns hauptsächlich darum, eigene Erfahrungen zu machen.


Die Tage, die wir in Polen verbrachten, waren informativ, aber für die meisten von uns, auch sehr schwer.


Was uns allen zu Anfang der Reise und im Unterricht nicht bewusst war, war die riesige Fläche der Vernichtungslager, vor allem von Birkenau, aber auch des Stammlagers Auschwitz.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir an Birkenau vorbeigefahren sind und egal wie weit man guckte, es hörte nicht auf, Baracke an Baracke viele Kilometer lang.


Den Ersten Tag verbrachten wir damit, uns das Stammlager Auschwitz anzuschauen.
Wir realisierten, dass wir jetzt wirklich hier sind.
Relativ am Anfang kamen wir in ein Haus, in welchem die Häftlinge früher zu hunderten „wohnten“, die Häuser sind nun aufbereitet wie eine Art Museum.

Wir gingen dort also durch und kamen in einen Raum, in dem die Haare der Opfer aufbereitet wurden und zwar die Haare, welche nur am Tag der Befreiung gefunden wurden, dem 27. Januar 1945 –
also dem Datum, weshalb wir heute hier zusammengekommen sind.

Man kann sich die Masse eigentlich gar nicht vorstellen,
bzw. konnten wir es nicht,
es war ein riesiger Raum, der mit 2 Tonnen Haaren voll war.
Alles das waren echte Haare, die den Opfern beim Ankommen in Auschwitz oder spätestens vor dem Betreten der Gaskammer abrasiert wurden.

Aber auch die anderen Überbleibsel der Opfer trafen uns mehr als gedacht,
man konnte hunderte von Koffern sehen,
alle säuberlich beschriftet mit den Adressen der Opfer, da die Leute damals dachten,
dass sie bald wieder zurück nach Hause könnten und deshalb ihre wertvollsten Habseligkeiten mitnahmen,
doch dem war meist nicht so…
Aber auch tausende von Brillen und sogar Säuglings -und Kinderkleidung waren dort zu sehen.

Ein letztes Ereignis ist uns allen im Kopf geblieben und zwar als wir die Krematorien 4 und 5 besuchten, welche eher abseits des Geländes von Birkenau waren.
Wir hatten für jeden Rosen dabei, um dort der Opfer zu gedenken, ein paar Schüler der CKS sprachen zuvor noch sehr berührende Worte, bevor sich jeder ein Platz ausgesucht hat,
um seine Rose abzulegen und still und für sich zu gedenken.

Zumindest für mich und soviel ich weiß, auch für die anderen 5,
war dies einer der emotionalsten Momente während der Fahrt, weshalb bei dem einen oder anderen auch Tränen geflossen sind.

Denken wir noch einmal an Frau Atzmon.
Sie hat uns doch gesagt, dass keinem von uns Schuld trifft,
sondern,
sie hat uns gebeten, dass es wichtig ist, folgende Bitte ernst zu nehmen.
Sie sagte nämlich so etwa:
- tragt meine Geschichte weiter.
Denn wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt,
sind wir diejenigen, die die Erlebnisse weitertragen können und damit verhindern können,
dass unsere jetzige Demokratie in die Brüche geht und
so etwas wie der Holocaust nie wieder geschehen kann.


Abschließend möchte ich meine Rede damit beenden, Herrn Atzmons Metapher noch einmal aufzugreifen.
Er sagte:
- „Ein kleines Feuer kann man noch löschen, doch wenn es zu groß wird, nimmt es unaufhaltsam seinen Lauf!“
- Denkt daran, dass Rassismus, Diskriminierung, sowie Antisemitismus auch damals klein anfing.

Januar 2019, Amelie Schwaab