Zeitzeugin aus Israel zu Gast beim diesjährigen Holocaust Gedenktag am OGT


Für den kommenden Holocaustgedenktag im Januar 2018 konnten wir die Holocaustüberlebende Sara Atzmon (Jahrgang 1933), die in Israel lebt, als Rednerin gewinnen.

Sara Atzmon ist gebürtige Ungarin. Im Alter von 11 Jahren wurde sie in ein Konzentrationslager gebracht, im Alter von 12 Jahren mit einem Körpergewicht von 17 kg wurde sie im April 1945 von den Amerikanern befreit. Das amerikanische Militär stellte sie 1945 vor zwei Alternativen: nach Palästina oder nach Ameri¬ka auszuwandern. Sara Atzmon entschied sich für Palästina.

1954 heirate Sara Atzmon. Sie und ihr Ehemann Uri, der in Israel geboren wurde, haben 6 Kinder, 22 Enkel und vier Urenkel. Über den Holocaust wurde zu Hause nicht gesprochen. Eine Reise in ihr Geburtsland Ungarn im Jahr 1987 änderte alles. „Die Menschen haben mich geärgert. Sie lebten in unseren Häusern und haben nicht gewusst, was mit den Juden passiert war!“

Sara Atzmon begann 1982 damit, ihre traumatischen Erlebnisse in der Malerei zu verarbeiten, ihre Bilder wurden weltweit ausgestellt. Erst vor ungefähr 20 Jahren fing Sara Atzmon an, ihre fürchterlichen Erlebnisse zu verbalisieren. Seitdem spricht sie als Zeitzeugin in Schulen, Universitäten und anderen Einrichtungen. Sie drehte einen Film mit dem Titel Holocaust light gibt es nicht. Im Jahre 2013 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz aus den Händen des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck.
Ende Januar 2018 werden Sie und ihr Mann die Gemeinde Timmendorfer Strand besuchen. Um möglichst viele Jugendliche zu erreichen, werden in diesem Jahr zwei Holocaust Gedenktage am Ostseegymnasium abgehalten:
Dienstag, 30. Januar 2018, 11.30 Uhr für die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und des Einführungsjahrgangs Oberstufe (E)
Donnerstag, 1. Februar 2018, 11.30 Uhr für Schülerinnen und Schüler der Klassen Q1 und Q2.
Für interessierte Eltern und Bürger der Gemeinde Timmendorfer Strand gibt es am Donnerstag, den 1. Februar 2018 eine Abendveranstaltung mit der Zeitzeugin Sara Atzmon im Kurhaus Timmendorfer Strand. Bürgermeisterin Kara wird unsere Gäste aus Israel dort begrüßen.
Seit 1996 begehen wir in der Bundesrepublik Deutschland auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog in Deutschland den 27. Januar, also den Tag, an dem Auschwitz befreit wurde, als nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. In seiner Ansprache zum ersten Holocaustgedenktag sagte Herzog:
„Warum diese Rückschau heute, nach über 50 Jahren? Warum vor allem unser Wille, die Erinnerung lebendig zu halten? Wäre nicht auch der Wunsch verständlich, Gewesenes zu vergessen, die Wunden vernarben und die Toten ruhen zu lassen? Tatsächlich könnte heute das Vergessen eintreten; denn Zeitzeugen sterben, und immer weniger Opfer können das Grauen des Erlittenen persönlich weitertragen. Geschichte verblaßt schnell, wenn sie nicht Teil des eigenen Erlebens war.
Deshalb geht es darum, aus der Erinnerung immer wieder lebendige Zukunft werden zu lassen. Wir wollen nicht unser Entsetzen konservieren. Wir wollen Lehren ziehen, die auch künftigen Generationen Orientierung sind.
Dieses Gedenken ist nicht als ein in die Zukunft wirkendes Schuldbekenntnis gemeint. Schuld ist immer höchstpersönlich, ebenso wie Vergebung. Sie vererbt sich nicht. Aber die künftige Verantwortung der Deutschen für das „Nie wieder!“ ist besonders groß, weil sich früher viele Deutsche schuldig gemacht haben. Es ist wahr, daß sich Geschichte nicht wiederholt. Aber ebenso wahr ist, daß Geschichte die Voraussetzung der Gegenwart ist und daß der Umgang mit der Geschichte damit auch zum Fundament der Zukunft wird.“
(Auszug aus der Ansprache von Bundespräsident Roman Herzog zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag am 19. Januar 1996 in Bonn)

Eine Studie der Hamburger Körberstiftung aus dem Jahre 2017 kam zu folgendem Ergebnis:
Nur 59% der deutschen Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren wissen, dass Auschwitz-Birkenau ein Konzentrationslager war.
4 von 10 Schülern können nichts mit dem Namen Auschwitz anfangen.
Um einer solchen Entwicklung entgegen zu wirken, werden wir am Ostsee Gymnasium Timmendorfer Strand nun zum vierten Mal an die Opfer des Nationalsozialismus mit zwei Gedenkveranstaltungen erinnern.

Andrea Finke-Schaak
Koordinatorin des Holocaust-Gedenktages


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