Gespräch mit Yael Atzmon,
Enkeltochter von Sara Atzmon, Holocaust-Survivor
Was wir tun können – 81 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz – ist, nicht zu vergessen, welche Verbrechen von dem nationalsozialistischen Deutschland gegen die Menschlichkeit verübt worden sind, indem wir immer wieder über das Geschehene sprechen – so lautet die Botschaft, die ich aus dem Gespräch mit Yael Atzmon, der Enkeltochter der Holocaust-Überlebenden Sara Atzmon, mitgenommen habe. Wir werden nicht mehr lange die Möglichkeit haben, mit Zeitzeugen zu sprechen, dann müssen andere diese Aufgabe übernehmen. Aus diesem Grund hat es sich Yael Atzmon zur Aufgabe gemacht, über die Geschichte ihrer Großmutter Sara Atzmon zu sprechen.
Yael Atzmon besuchte uns am 27. Januar 2026, an dem Tag, an dem vor 81 Jahren das Vernichtungslager Auschwitz von der sowjetischen Roten Armee befreit wurde und der seit 1996 zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt wurde.
Im Jahr 2018 durfte das OGT bereits ihre Großmutter Sara Atzmon begrüßen.
Gemeinsam mit Yael verfasste Sara Atzmon 2023 ihre Autobiografie ,,Und ich habe doch gesiegt!“, die im Jahre 2025 auch auf deutsch herausgegeben wurde. Der Titel verdeutlicht stark den Optimismus und auch den Durchhaltewillen, den viele Schülerinnen und Schüler auch von Yael in Erinnerung behalten werden.
Zu Beginn herrschte eine stille, angespannte Atmosphäre in dem Veranstaltungsraum. An den Wänden hingen Fotos von Sara Atzmon als Kind.
Die Veranstaltung wurde durch Noah Werner an der Geige und Johann Brede an der Klarinette unter Leitung unseres Musiklehrers Dr. Ster musikalisch eröffnet.
Anschließend begrüßten Frau Dr. Braun und unser Timmendorfer Bürgermeister Herr Partheil- Böhnke die geladenen Gäste und uns Schülerinnen und Schüler.
In Gedenken an die sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden, zündeten sechs Jugendliche, die im Oktober 2025 an der Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz teilgenommen hatten, sechs Kerzen an. Wir erhoben uns zu einer Schweigeminute und gedachten der Opfer.
Frau Finke Schaak, die Organisatorin der Veranstaltung und Koordinatorin der Erinnerungsarbeit an unserer Schule, erläuterte in ihrer Rede das Phänomen der transgenerationalen Traumatisierung, denn unverarbeitete traumatische Erfahrungen von Holocaust-Überlebenden werden häufig unbewusst weitergegeben an deren Kinder und Enkelkinder, was sich dann häufig in Symptomen wie Angst Depressionen oder auch psychosomatische Beschwerden äußert.
Bevor dann aber die Podiumsdiskussion mit Yael Atzmon begann, stellte Frau Finke-Schaak biographische Eckdaten der Großmutter vor, die durch Lesungen einiger Textstellen aus der Autobiographie von Emilie Rix und Cornelius Oertel untermauert wurden. So erfuhren wir beispielsweise wie Sara Atzmon in einem Waggon mehrere Tage nach Auschwitz transportiert wurde, wo der Zug wie durch ein Wunder umdrehte. ,,Auschwitz war überbucht“, hat Sara Atzmon 2018 am OGT gesagt. Über Österreich gelang sie nach Bergen-Belsen, wo sie ein halbes Jahr unter unvorstellbaren Bedingungen leben musste.
Dann traten die beiden letzten Mitglieder des Podiums auf die Bühne – unser Ehrengast Yael Atzmon und Harald Denckmann, Reporter des Offenen Kanals Lübeck.
Yael erzählte davon, wie sich die Folgen der Erfahrungen ihrer Großmutter in Form von transgenerationalen Traumatisierungen bei Familienmitgliedern wiederfanden und wie ihre Eltern mit dem Thema umgegangen sind.
Auch berührend waren die Erzählungen über die Momente, als Sara Atzmon nach Jahren anfing, über das Erlebte zu sprechen. So wollte Yael ihrer Großmutter ihre Purimverkleidung zeigen (Purim ist ein jüdisches Fest, an dem sich die Kinder verkleiden) bevor sie zum Fest aufbrechen wollte, da zeigte ihr ihre Großmutter ein Video über die Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, das sie gerade mit der Post erhalten hatte. Yael war erschüttert über die Leichenberge, über die ausgemergelten Menschen, die Lust zum Purimfest zu gehen, war vergangen.
Zunächst stellten die Mitglieder des Podiums einige Fragen, dann wurden Fragen aus dem Publikum ermöglicht, viele Schülerinnen und Schüler machten von dieser Möglichkeit Gebrauch. So fragte ein Schüler, wir wissen alle, was der Holocaust war, aber was können wir tun, damit das nicht in Vergessenheit gerät. Das war der Moment, an dem Yael deutsch sprach – sie nannte nur ein Wort, nämlich sie sagte: REDEN REDEN REDEN.
Was mich auch besonders beeindruckt hat, war die Schilderung des innigen
Familienverhältnisses der Familie Atzmon heute. Es zeichnet sich durch bedingungslose Unterstützung aus, beispielsweise halfen alle Familienmitglieder und unterstützten beim Schreiben des Buches.
Für mich strahlte Yael vor allem eins aus: Hoffnung.
Ich bin dankbar, dass uns Schülerinnen und Schüler dieses Gespräch ermöglicht wurde, denn ich nehme vor allem eins mit: Wie wichtig es ist, über das Geschehene zu sprechen! Und sich Gedanken darüber zu machen, wie es überhaupt zur Herrschaft des Nationalsozialismus kommen konnte. Ich bin bereits damit angefangen, denn seit ich von der Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz zurückgekehrt bin, habe ich mit Freunden und meiner Familie über das gesprochen, was ich in Auschwitz erlebt habe, und ich habe mir fest vorgenommen, in Zukunft nicht zu schweigen, wenn mir Unrecht begegnet.
Frida Q1a
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