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Projekt: „…dahin wie ein Schatten“ - Erstes Treffen des Kunstprojekts „Erinnerungsmal für Hanna und Hermann Mecklenburg im Atelier von Winni Schaak am 5./6. Februar 2022

Das Projekt geht weiter:
Erstes Treffen des Kunstprojekts „Erinnerungsmal für Hanna und Hermann Mecklenburg im Atelier von Winni Schaak am 5./6. Februar 2022

Eigentlich sollte dieses erste Treffen der Kunstprojektteilnehmer im Atelier des Bildhauers Winni Schaak schon am 15./16. Januar 2022 stattfinden, aber Corona hat uns abermals einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir durften uns nicht kohortenübergreifend treffen. Das Projekttreffen wurde abermals verschoben und fand drei Wochen später getrennt nach Schulen statt, was wir eigentlich sehr schade fanden – aber besser als gar kein Treffen…
Am Samstag, den 5. Februar 2022 waren die drei Schüler*innen LeAnn Diestel, Wessam Alotba und ich (Paula Lücke) von der Cesar-Klein-Schule in Lübeck-Schlutup. Mit dabei waren auch wieder die Filmemacherin Katharina Spuida-Jabbouti, unsere drei Lehrer*innen, Herr Knebel, Frau Düppe und Frau Finke-Schaak und natürlich der Bildhauer Winni Schaak.K1024 IMG 0293
Als wir angekommen sind, haben wir zunächst alle einen Corona-Selbsttest gemacht. Im Atelier befand sich eine Stellwand, auf der unsere Ideen, die wir bereits beim ersten Treffen mit Winni Schaak im August 2021 gesammelt hatten, angebracht waren. Der Begriff Tunnel dominierte damals im August.DSC 0170 1 Nun waren wir aber um einige Erfahrungen reicher, denn nun hatten wir die ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz und Birkenau mit eigenen Augen gesehen und wir hatten uns intensiv mit der Geschichte verschiedener jüdischer Kinder und Jugendlicher aus Lübeck während der Theater-Workshops auseinandergesetzt. Wir diskutierten, welche Begriffe nun in unseren Köpfen präsent waren. Wir stellten fest, dass der Tunnel nach wie vor das beherrschende Bild war, denn der Tunnel repräsentierte für uns eine Bedrohungssituation, diese Bedrohungssituation könnte durch eine schiefe Ebene bzw. kippende Wand verstärkt werden, so wie die Stelen, die wir im Jüdischen Museum in Berlin gesehen hatten. Wir entschieden also, dass unser Erinnerungsmal durch einen Tunnel dargestellt werden sollte. Uns kamen aber auch die Bilder der Räume mit den vielen Koffern, auch die Glasvitrinen mit dem Kinderspielzeug in den Sinn. Wir überlegten, wie wir den Tunnel weiter gestalten bzw. ihm Charakter geben könnten, sodass er zur Geschichte der Kinder Hanna und Hermann passt, aber auch an den Zweiten Weltkrieg und die Furcht und den Schrecken der Menschen erinnert. Wir wollten entweder Kinder-Fußabdrücke, Stofftiere oder Koffer mit in die Tunnel einbringen.
Danach haben wir uns Winni Schaaks Skulpturen in seinem Ausstellungsraum angeschaut und uns dort Tipps und Inspirationen geholt. Er hatte in seiner Ausstellung hauptsächlich Skulpturen mit Durchbrüchen, also von Tunneln, was für uns sehr passend war, da wir uns auch für einen Tunnel entschieden hatten. Einige Skulpturen von Winni Schaak haben sehr gut zu unserem Thema gepasst und unsere Vision, wie wir die Skulpturen am Ende haben wollten, wurde immer genauer.
Wir sind dann wieder zurück ins Atelier gegangen, wo Arbeitstische für uns vorbereitet waren.K1024 IMG 0309 Dann haben wir angefangen, die ersten Ideen, die wir hatten, auf ein Blatt Papier zu zeichnen. Die Tunnel wurden teilweise enger, sodass man ein Gefühl von Platzangst bekam, wenn man sich vorstellte, hindurch zu gehen. Nach einem ungefähren Entwurf auf Papier fingen wir an, den passenden Maßstab zu berechnen, die einzelnen Teile des Entwurfes maßstabsgetreu aufzuzeichnen und anschließend in Modellbaupappe auszuschneiden. Zum Schluss wurden alle Teile zusammengeklebt, sodass wir einen 3D-Entwurf unserer Skulpturen fertiggestellt hatten.

Paula Lücke, 12. Klasse Cesar-Klein-Schule, Ratekau


 TAG 2
Am Sonntag, 06. Februar waren die drei Schüler*innen des Ostseegymnasiums an der Reihe: Lucja Nara Koll, Käthe Wieseler und Julius Gottschlich.K1024 IMG 0340
Wir haben heute ebenfalls damit begonnen, die Stichpunkte auf der Stellwand im Atelier, die wir im Sommer gesammelt hatten, noch einmal auf uns wirken zu lassen. Winni Schaak informierte die OGT-Schüler*innen, dass die gestrige Gruppe von der Cesar-Klein-Schule an dem Thema Tunnel gearbeitet hätte und zeigte die Ergebnisse des gestrigen Tages, was die Schüler sehr beeindruckte.

Die „Sonntags-Gruppe“ ergänzte die Stellwand im Atelier mit weiteren Begriffen. Diese Gruppe legte aber eher den Fokus auf die „Accessoires“, auf das, was wir in Auschwitz gesehen hatten – Koffer, Brillen, Haare, Stacheldraht, Bahnschienen u.a.
Der Tunnel sollte weiter konkretisiert werden. Dem Betrachter soll klar werden, dass der Tunnel symbolisch nach Auschwitz führt.
Winni Schaak zeigte auch der heutigen Gruppe die Objekte in seinem Ausstellungsraum. Seine Kunst erzeugt beim Betrachter Irritationen. Scheinbar flächige Skulpturen zeigen je nach Perspektive eine Dreidimensionalität, die überrascht. Man wird gezwungen, immer wieder den Blickpunkt zu verändern, um die Gestaltung und den Aufbau erschließen zu können. Winni Schaak erklärte den Schülern, dass sein Motto bei einer Arbeit die Reduktion sei – die Andeutung - „weniger sei mehr“.K1024 IMG 0347
Nun standen die Schüler*innen vor der Aufgabe, ihre Ideen in eine Form zu bringen. Zunächst zeichneten sie auf Skizzenpapier verschiedene Objekte: Fußspuren, Bahnschienen, Stacheldraht. Dann überlegten sie, wie die Gegenstände zu den Skulpturentwürfen, die am Vortag von Paula, LeAnn und Wessam erstellt wurden, passen könnten. Der Koffer und Fußspuren von Kindern wurden dabei favorisiert. K1024 IMG 0370

Anschließend haben die Schüler*innen diese Objekte in Skulpturengröße plastisch mit Modellbaupappe geformt. Begleitet wurde diese Arbeit vom ständigen Austausch untereinander - zwischen Schüler*innen, Lehrer*innen und dem Künstler Winni Schaak.
Obwohl wir corona-bedingt getrennt an den Erinnerungsmalen arbeiten mussten, so wird das Ergebnis doch ein Gemeinschaftswerk unserer beiden Schulen.

Günter Knebel, Lehrer der Cesar-Klein-Schule
Andrea Finke-Schaak, Lehrerin am OGT


 

 

 

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Gruselgeschichtenwettbewerb 2021/2022

Gruselgeschichtenwettbewerb

 

Der diesjährige Gruselgeschichtenwettbewerb der 5.Klassen sollte diese Frage beantworten.

In den Deutschstunden wurden eifrig und engagiert anschauliche und vor allem gruselige Geschichten geschrieben, die abschließend der Klasse vorgelesen werden durften. Nachdem die „Klassensieger“ ermittelt waren und sogar Gruselplakate entworfen wurden, bewertete eine unabhängige Jury, bestehend aus der Schülervertretung und der Schulleiterin, die Geschichten. 

Der Vorlesewettbewerb der 6. Klassen 2021

Dieses Jahr fand der beliebte Lesewettbewerb zum Glück wieder als Präsenzveranstaltung statt. Das ist der Tag im Jahr, an dem wir versuchen Kindern und Jugendlichen das Lesen ein bisschen näher zu bringen. Beim Wettbewerb treten die Klassenbesten aus dem 6. Jahrgang um die Schulsiegerurkunde gegeneinander an.

Berufswahl-SIEGEL am OGT

Das Ostsee-Gymnasium Timmendorfer Strand wird mit dem Berufswahl-SIEGEL des Landes Schleswig-Holstein rezertifiziert

Das Ostsee-Gymnasium ist eine von 20 Schulen, die in diesem Jahr zum Teil erneut mit dem Gütesiegel für vorbildliche Berufliche Orientierung ausgezeichnet wurden. 14 davon, unter anderem das OGT, hatten bereits im Schuljahr 2017/18 das bundesweit einheitliche zweistufige Prüfverfahren bestanden und wurden nun nach umfangreicher und erfolgreicher Wiederbewerbung rezertifiziert.

Projekt: „…dahin wie ein Schatten“ - Lesung: „Hier wohnte Hanna Mecklenburg“

Veranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe Zeit des Erinnerns

Am Samstag, den 13. November 2021, fand die Lesung „Hier wohnte Hanna Mecklenburg“, in der über das Leben der jüdischen Geschwister Hanna und Hermann Mecklenburg und deren Familie informiert wurde, statt. 2a MecklenburgHanna und Marcus

Auch diese Lesung ist ein Puzzelteil des Projektes „… dahin wie ein Schatten“, ein Kooperationsprojekt der Schülerinnen und Schüler der Cesar-Klein-Schule Ratekau und des Ostsee-Gymnasiums Timmendorfer Strand. Die Schicksale der Geschwister Hanna und Hermann Marcus Mecklenburg begleiten seit zwei Jahren die Gedenkstättenfahrten unserer beiden Schulen.

Bereits am Freitag vor der Lesung haben sich die Schüler/-in Käthe-Marie Wieseler (OGT), Wessam Alotba (CKS) und Robert Jahr (OGT) zu einer Generalprobe in der Mengstraße 52, dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Mecklenburg, getroffen, um sich mit der Umgebung und den Texten vertraut zu machen. 

Dieses alte Giebelhaus war seit 1885 im Familiensitz der Mecklenburgs und diente sowohl als Zuhause für die große Familie von Hannas Großvater Hermann Mecklenburg und gleichzeitig als Firmensitz seiner Papierwaren-Großhandlung, die dieser später mit seinen Söhnen führte. So wuchsen Hanna und ihr kleiner Bruder Hermann Marcus in den 1920er Jahren im Kreise einer großen Familie in der Mengstraße 52 auf. 

Dieses Haus befindet sich heute im Besitz der Familie Heissing, die sich für die Erhaltung des geschichtlichen Hauses und dem Gedenken an die Familie Mecklenburg einsetzt. Seit dem Sommer 2007 liegen vor dem Haus in der Mengstraße vier Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig, deren in Messing geschlagene Inschriften Passanten auf das traurige Schicksal dieser Lübecker Familie aufmerksam machen sollen.18 mengstrasse 52stolpersteine

Das Erdgeschoss wird heute als Galerie genutzt, dort im Inneren befindet sich ebenfalls eine im Boden befestigte Gedenktafel mit den Namen der Familie Mecklenburg.

Hanna dürfte Schülerin der Ernestinenschule gewesen sein, wie es schon ihre Mutter und deren Schwestern waren. Ihr kleiner Bruder wird vermutlich in die 1934 eingerichtete Volksschule der jüdischen Gemeinde eingeschult worden sein. 

Die eigentliche Lesung „Hier wohnte Hanna Mecklenburg“ begann am darauffolgenden Tag um 16 Uhr. Ein aufgebauter Beamer projizierte alte Bilder der Familie Mecklenburg, u. a. auch des alten Wohnhauses, auf einer Leinwand, um den Besuchern eine bildliche Vorstellung des damaligen Lebens dieser Familie zu geben. Insgesamt erschienen ca. 45 Besucher, darunter Eltern, Lehrer*innen, (ehemalige) Schüler*innen und interessierte Lübecker, die durch den Zeitungsbericht in den Lübecker Nachrichten auf die Veranstaltung aufmerksam geworden waren. Es war eine besondere Atmosphäre an diesem Nachmittag in diesem Haus, hier also lebten Hanna und Hermann Mecklenburg, für die wir vor 6 Wochen am Ort ihrer Ermordung eine Gedenkfeier veranstaltet haben. 
Die Lesung begann mit einer Begrüßung durch Günter Knebel, pensionierter Lehrer der Cesar-Klein-Schule Ratekau. Dieser leitet zusammen mit Andrea Finke-Schaak, Lehrerin des OGTs, das Projekt „… dahin wie ein Schatten“. 
Heidemarie Kugler-Weiemann, Mitglied der Initiative Stolpersteine in Lübeck, sprach ebenfalls einige Grußworte. K1024 IMG 9329

Sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass diese Lesung überhaupt stattfinden konnte. Sie entwickelte den vorzutragenden Text und trug durch ihre Recherchen viele Informationen über die Mecklenburgs zusammen. Wie Frau Finke-Schaak zum Schluss dann auch verriet, ist Frau Kugler-Weiemann Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und, worauf sie besonders stolz ist, Trägerin des Obermayer German Jewish History Award. Für diesen Preis wird man von jüdischen Mitbürgern vorgeschlagen. Die Verleihung dieses besonderen Preises bedeutet eine besondere Ehre für Frau Kugler-Weiemann. Sie ist die einzige Preisträgerin dieses Obermayer Preises aus Schleswig-Holstein. 

Die Initiative „Stolpersteine für Lübeck“ veröffentlicht ihre Recherchen auf einer Website, auf der auch die Biografie der Familie Mecklenburg zu lesen ist. So wurden Angehörige der Familie aus Holland, Deutschland, Kanada und der Schweiz auf die Recherchen aufmerksam und nahmen Kontakt zu Heidemarie Kugler-Weiemann, aber auch untereinander auf. 

Nun begann die eigentliche Lesung, vorgetragen von Käthe-Marie Wieseler (OGT), Wessam Alotba (CKS) und Robert Jahr (OGT). Die Lesung wurde mit jiddischen Liedern untermalt, die Volker Schauer begleitet mit seiner Gitarre vortrug.K1024 IMG 9338

Es war eine sehr emotionale Lesung. Am Ende gab es viel Applaus und Danksagungen von Frau Finke-Schaak für die Familie Heissing, die ihre Galerie zur Verfügung gestellt hat, für Volker Schauer, der kurzfristig eingesprungen war, weil die ursprünglich geplanten Musiker krankheitsbedingt absagen mussten, für Frau Heidemarie Kugler-Weiemann, für ihren Einsatz und für ihr großes Engagement gegen das Vergessen und natürlich für uns Schüler. Frau Finke-Schaak betonte, dass - auch wenn wir leider in den letzten Jahren immer mehr mit Antisemitismus konfrontiert werden -  so doch unser Projekt und das Engagement von uns Schülern, Hoffnung gibt und einen Gegenpol bildet zu Ausgrenzung und Rassismus. K1024 IMG 9352

Nach einer halben Stunde Pause ging es dann 20 m entfernt im KoKi – im Kommunalen Kino Lübeck weiter. Hier wurde der 2019 gedrehte Film Licht ins Dunkel von Finn Nissen über die Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz gezeigt. Bisher gab es drei gemeinsame Gedenkstättenfahrten von Schülerinnen und Schüler der CKS und des OGT. Es waren  Schüler*innen aller drei Fahrten gekommen. Vor der Aufführung des Films hielt Herr Knebel ein paar einführende Worte. Als der Film endete, gab es regen Applaus aus dem Publikum. Nun saßen 5 Schüler und Schülerinnen (aus drei verschiedenen Gedenkstättenfahrten) sowie der Filmemacher Finn Nissen auf dem Podium und stellten sich den Fragen des Publikums. So wurde beispielsweise gefragt, wie die Schüler bzw. Schülerinnen diese vielen sehr emotionalen Eindrücke verarbeitet haben, wie ihre Familien nach der Rückkehr reagiert haben, wie das Interesse für das Thema im Freundeskreis gewesen sei, ob sich heute ihre Seh- und Lesegewohnheiten geändert hätten, wenn über das Thema Nationalsozialismus berichtet wird. Die Schüler*innen auf dem Podium haben sehr eindrucksvoll von dem Erlebten berichtet. So berichtete eine Schülerin davon, dass sie eingegriffen hat, als offensichtlich ein Fahrgast im öffentlichen Verkehrsmittel rassistische Bemerkungen von sich gegeben hat (sie erhielt Zwischenapplaus), ebenfalls waren sich alle Schüler*innen einig, dass sie sich jetzt Dokumentationen zu diesem Thema anschauten, dass sie viel sensibler für das Thema geworden seien. Zum Schluss dankten die Schüler den beiden Lehrkräften für ihr großes Engagement. K1024 IMG 9351K1024 IMG 9354

Hanna und Hermann Mecklenburg mussten viel zu früh sterben. Wir haben aber heute dazu beigetragen, dass die Nationalsozialisten es nicht geschafft haben, ihre Identität auszulöschen. 

Robert Jahr, OGT

 

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Wir danken den Lübecker Nachrichten für die Genehmigung zur Veröffentlichung des folgenden Artikels: 

Bildschirmfoto 2021 11 17 um 101519

Download Zeitungsartikel


 

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung auf unserer Homepage durch die Wochenzeitung Der Reporter.

Artikel Reporter 24.11.21

Artikel-Reporter-24.11.21


   

Wir danken Heidemarie Kugler-Weiemann, Initiative Stolpersteine für Lübeck, für die Zuverfügungstellung ihrer Recherchen über die Familie Mecklenburg.

Erinnerung an Hanna Mecklenburg

 in der Galerie Heissingart, Mengstraße 52

am 13. November 2021

Einführung: Heidemarie Kugler-Weiemann 

Foto 1

Hanna Mecklenburg und ihr Bruder Hermann Marcus Mecklenburg

Stimme A

Hanna Mecklenburg wurde am 30. Juli 1922 in Lübeck geboren, vor nahezu einhundert Jahren also. Ihr Bruder Hermann Marcus kam fünf Jahre später am 20. Juli 1927 zur Welt. Das Foto zeigt die beiden im Alter von etwa 13 bzw. 8 Jahren, es dürfte 1935 aufgenommen worden sein.

Die Eltern der Geschwister waren Therese, genannt Thea Mecklenburg, geborene Falck und Heinrich Herbert Mecklenburg. Die Familie wohnte hier in der Mengstraße 52 in einem der hohen alten Giebelhäuser,

das sich schon seit 1885 im Familienbesitz befunden hatte.

Foto 2

Mengstraße 52

Stimme B

Hannas Großvater Hermann Mecklenburg hatte das Haus erworben als Zuhause für seine große Familie und als Firmensitz der Papierwaren-Großhandlung, die er 1870 gegründet hatte und später zusammen mit seinen Söhnen führte.

Foto 2a

Anzeige Lübecker Adressbuch 1914: 

H. Mecklenburg & Co. Papier Großhandlung

 

Stimme B 

Hannas Großvater Hermann Mecklenburg war 1841 in Moisling geboren. Sein jüdischer Vorname lautete Heimann Juda. 

Foto 3

Hermann Mecklenburg

Stimme C

In der Mengstraße lebte er mit seiner zweiten Frau Friederike und den zehn Kindern aus zwei Ehen.

Hannas Vater Heinrich Herbert wurde 1886 als zweitjüngstes Kind geboren. Er und alle seine Geschwister wuchsen in Lübeck auf, gingen hier zur Schule und besuchten den Religionsunterricht in der neugebauten großen Synagoge in der St.Annen-Straße beim Rabbiner Salomon Carlebach. 

Foto 4

Hochzeit von Dina Mecklenburg mit Maurice / Marcus Blitz 1907 in Lübeck

Stimme B

Die Söhne der Familie absolvierten nach Abschluss der Schule kaufmännische Ausbildungen in der Papierbranche. Die beiden ältesten stiegen wie Hannas Vater in die väterliche Firma ein und blieben in Lübeck wohnen, während alle anderen Geschwister die Stadt verließen.

Die drei älteren Schwestern von Hannas Vater gingen Ehen mit holländischen Kaufleuten ein.

Das Foto zeigt die große Hochzeitsgesellschaft im Sommer 1907 in Lübeck, die Dinas Eheschließung durch den Rabbiner Salomon Carlebach mit Maurice Blitz feierte. 

   

Foto 5 FOTO-Fächer 

Stimme C

Im Ersten Weltkrieg meldeten sich alle fünf Söhne der Mecklenburgs als freiwillige Kriegsteilnehmer, ein deutliches Zeichen für die starke Assimilation dieser jüdischen Familie. 

Der Vater Hermann Mecklenburg erlebte den Krieg nicht mehr, er starb im Februar 1913, seine Frau im August 1915. 

Foto 6 

Adolph und Margarethe Babette Falck 

Stimme B

Ihre Großeltern väterlicherseits hat Hanna Mecklenburg somit gar nicht mehr kennen gelernt, wohl aber die Eltern ihrer Mutter, Abraham Adolph Falck und Margarethe Babette Falck, geborene Marcus. Sie wohnten nicht weit entfernt von der Mengstraße in der Beckergrube. 

Hannas Mutter Therese, Thea genannt, war 1893 als die zweitjüngste von sechs Töchtern geboren.    

Foto 7

Hanna und ihre Cousine Friederike, Friedel genannt, im Garten der Plönniesstraße 

Stimme A

So wuchsen Hanna und ihr kleiner Bruder in den 1920er Jahren im Kreise einer großen Familie in Lübeck auf. Geburtstage und Festtage dürften Anlass für gemeinsame Feiern und gegenseitige Besuche der Verwandten gewesen sein. Onkel, Tanten, Cousinen und Vettern wohnten nicht weit entfernt in der Lindenstraße, Sophienstraße und An der Mühlenbrücke. 

Foto 8

Schülerinnen und Schüler der Religionsschule der jüdischen Gemeinde

1935

Stimme C

Auf diesem großen Gruppenfoto der Religionsschule aus dem Jahr 1935 sehen wir den Rabbiner Dr. David Winter und weitere Lehrkräfte und Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters, darunter

Hanna Mecklenburg,

ihren Bruder Hermann Marcus,

ihre Cousine Friederike, Friedel gerufen,

und ihren Vetter Peter Mansbacher.

Stimme A

Hanna und auch Friedel Mecklenburg dürften Schülerinnen der Ernestinenschule gewesen sein, wie es schon die Schwestern ihrer Väter und auch Hannas Mutter und deren Schwestern gewesen waren.  

Peter Mansbacher besuchte bis 1938 das Johanneum, war schließlich der einzige jüdische Schüler dort. 

Hannas kleiner Bruder Hermann Marcus wird vermutlich in die 1934 eingerichtete Volksschule der jüdischen Gemeinde eingeschult worden sein und Unterricht bei Dr. Winter und den Lehrern in den Räumen der Synagoge gehabt haben.

Foto 9

Maurice Blitz und Hanna Mecklenburg am 30.6.1935 

Stimme B

War die Familie in Lübeck schon groß, so gab es darüber hinaus enge familiäre Beziehungen zu den Verwandten außerhalb. Briefe wurden gewechselt, und Besuche fanden statt. Ganz sicher kamen alle Angehörigen anlässlich zweier Trauerfeiern nach Lübeck. 

Stimme A

Dieses Foto zeigt Hanna Mecklenburg mit ihrem Onkel Maurice Blitz aus Holland am 30.6.1935. 

Dieses Treffen mit den Verwandten aus Holland im Sommer 1935 war sicher eine große Freude und Abwechslung im bedrückender werdenden Alltag. Schon mehr als zwei Jahre hatten Hanna und ihre Angehörigen erleben müssen, wie die Politik der herrschenden Nationalsozialisten immer stärker zu ihrer Ausgrenzung und Entrechtung führte und wie die Sorgen in ihrer Familie wie in allen jüdischen Familien wuchsen. Firma und Haus gehörten seit einem Konkurs Ende der 1920er Jahre nicht mehr der Familie, aber Hannas Vater hatte bislang weiter Beschäftigung in der Papierhandlung und die Wohnung im Haus. Aber würde er als Jude nicht demnächst entlassen, ihm die Wohnung gekündigt?

Was sollte man tun? Bleiben?  Auswandern? Aber wohin? Und welches Land würde die betagte Großmutter Margarethe Falck aufnehmen, die seit dem Tod des Großvaters bei der Familie in der Mengstraße wohnte ? 

Hannas Cousine Gertrud hatte schon 1933 mit ihrem Mann und Sohn Deutschland verlassen und lebte nun in London; eine weitere bereitete sich intensiv auf die Auswanderung nach Palästina vor. Auch Hanna dürfte sich als Zionistin gesehen haben und einen Weg nach Palästina angestrebt haben.

Foto 10 

Stimme A

Hanna in der Gruppe „Brith Hanoar“

Dieses Bild aus dem Jahr 1935 zeigt sie mit ihren Freundinnen und Freunden des zionistischen Jugendbundes „Brith Hanoar“ in den Segeberger Kalkfelsen.

Bis auf Hanna und diesen jungen Mann gelang es allen anderen Jugendlichen, während der nächsten Jahre Einreisevisa für Palästina zu bekommen. 

Foto 11

Geburtstag der Großmutter in der Mengstraße 52

Stimme C

Ebenfalls 1935 wurde Hannas Großmutter Margarethe Babette Falck 80 Jahre alt, Anlass für eine Familienfeier in der Mengstraße 52 und für ein Foto. 

Am Kopf der Tafel sitzt die Jubilarin. Hinter ihr steht ihre Tochter Therese mit ihren Kindern Hanna und Hermann Marcus und ihrem Mann Herbert Mecklenburg. 

Am Tisch sitzen weitere vier ihrer Töchter: 

Alice Wrescher, geborene Falck ist die Zweite von links. Sie wurde nach Riga deportiert und kam dort ums Leben. 

Emmy Ettlinger, geb. Falck, die Dritte von links wurde mit ihrer Familie von Karlsruhe nach Gurs deportiert. Sie überlebte. 

Gertrud Fürst, geb. Falck, die Dritte von rechts, überlebte Auschwitz und starb 1948 in Hamburg. Ihr Mann Henry, der hinter ihr stehend zu sehen ist, wurde in Auschwitz umgebracht.

Juliane Mansbacher, geb. Falck, die Zweite von rechts, wurde in Auschwitz ermordet. 1942 kam sie zusammen mit der Mutter, der dann 87 jährigen Margarethe Falck nach Theresienstadt, wo diese nach kurzer Zeit verstarb.

Martin Mansbacher, Julianes Mann, ganz links zu sehen, starb 1940 nach schwerer Krankheit in Lübeck. Ihr Sohn Peter, ganz rechts im Bild, konnte mit einem Kindertransport nach England gerettet werden. 

Friedel Mecklenburg, die links steht, konnte mit ihrer Mutter nach Argentinien flüchten.

Musik­

________________________________________________________________

Stimme B

Im September 1938 konnte Hannas Vater Herbert Mecklenburg nach Belgien auswandern, und seine Frau folgte ihm mit den Kindern im Oktober 1938 nach Wezembeek bei Brüssel. Dort waren seit längerem Herberts Schwester Dina und ihr Mann Maurice Blitz ansässig. Sie dürften bei der Beschaffung der Einreisevisa behilflich gewesen sein, denn außer dem Nachweis eigenen Vermögens war eine Arbeitsgenehmigung unabdingbar. 

Doch der Fluchtort konnte Hannas Familie nur vorübergehend Sicherheit bieten  - bis zur Besetzung durch die Deutschen im Mai 1940. 

Dina und Maurice Blitz schafften es noch, Belgien zu verlassen und mit einem Schiff von Lissabon nach New York zu entkommen.

Foto 12

Passfoto von Heinrich Herbert Mecklenburg, aufgenommen wahrscheinlich mit der Registrierung im belgischen Judenregister

Stimme C

Hannas Vater Heinrich Herbert Mecklenburg wurde festgenommen und zusammen mit vielen anderen jüdischen Männern nach Südfrankreich in das Internierungslager Camp de St. Cyprien gebracht. Später wurde er ins Lager Gurs verlegt. 

Foto 12a

Lager Gurs – gezeichnet von seiner Schwägerin Emmy Ettlinger. 

 

 

Stimme B

Auszüge aus zwei Briefen, welche Herbert Mecklenburgs Schwägerin Emmy Ettlinger-Falck aus dem Deportationslager Gurs in Südfrankreich ihrem Sohn Leopold Ettlinger und seiner Frau in die Schweiz schickte.

Camp de Gurs, 1.1.1941

…  Heute war ein trauriger Tag. Seit ich hier bin, suche ich nach Onkel Herbert, und zwar bei allen dafür zuständigen Stellen. Eine Adresse hatte ich nicht, obgleich ich mindestens 10 Leute beauftragt hatte, ihn mir zu suchen. Endlich traf ich einen Rabbiner, Dr. Ansbacher. (…) Dieser schickte mir gestern Abend eine Botschaft, ich solle ihn im Krankenbaracke besuchen. Als ich kam, war er vor einigen Stunden gestorben. Ihr könnt euch meine Gefühle denken. Er war schon in der Leichenhalle und ich eilte dort hin, konnte ihn aber nicht mehr sehen. So ging ich zurück in die Direktion und in die Baracke und liess mir erzählen, was nun ging. Ausserdem liess ich mir den Ehering und einen Brief vom 4.11.1940 von Thea geben. Leider stand nichts von Grossmutter drin, was ich so sehr erhofft hatte. Mehr Briefe soll er nicht bekommen haben, auch hatte er keine Bilder bei sich. Die Uhr habe er schon in St. Cyprien verkauft gehabt und konnte davon gut leben. Hier hatte er nichts mehr, und das war schlimm.

Seine Krankheit fing mit Schwächeanfällen (Hinfallen) an, und er bekam ein schlimmes Bein. Deshalb kam er in den Krankenbaracke. Zuletzt hörte er gar nicht mehr, schon mehrere Tage. Er lag aber stets friedlich und hatte keinerlei Schmerzen. Jedenfalls litt er nicht. Sollten die Kameraden noch etwas finden, werden sie es mir zur Beerdigung mitbringen. Sie sprachen alle reizend von ihm und haben ihn als den stillen, feinen Menschen erkannt, der er ja wirklich war. Dass ich, an der er so sehr hing, ihm seine letzte Zeit nicht erhellen und erleichtern konnte, tut mir in der Seele weh. Thea ist in Uccle, hat aber noch ihre Adresse chez Mme de Becker, 339 Avenue Molière.  …  

Stimme C

Camp de Gurs, 3.1.1941

Meine Lieben!

Heute haben wir nun Onkel Herbert zur letzten Ruhe begleitet, und er wurde mit vielen anderen zusammen, d.h. es waren 10 Gräber, begraben. Als ich ihm die Erde hinunterwarf, dachte ich, dass diese Erde gastreich für alle ist. In dieser wunderbaren Gegend wirkt alles intensiv auf mich, so auch, als der Rabbiner sagte, wer nicht vergessen ist, der ist auch nicht tot. …

Foto 13

Karteikarte von Hanna Mecklenburg im Judenregister

Stimme B

Ab 28. Oktober 1940 mussten sich in Belgien alle Juden ab dem 15. Lebensjahr in ein Register am Wohnort eintragen lassen. Auch eine katholische Taufe, die Therese, Hanna und Marcus Mecklenburg hatten vornehmen lassen, konnte dies nicht verhindern.

Foto 14

 

Passfoto von Hanna Mecklenburg

 

Stimme A

Laut der Eintragungen im „Judenregister“ hatten Hanna und ihre Mutter zum Zeitpunkt der Registrierung eine andere Adresse als Marcus, es gab also keine gemeinsame Wohnung mehr. 

Foto 15

Passfoto von Hermann Marcus Mecklenburg

Stimme C

Hermann Marcus war noch Schüler, aber Hanna wie ihre Mutter als Dienstmädchen beschäftigt. 

Stimme B

Ende Juli 1941 wurden die Bürgermeister der Gemeinden angewiesen, die „Judenregister“ an die Sicherheitspolizei in Brüssel weiter zu leiten,

und die Pässe der Familie wurden mit einem großen J gekennzeichnet. 

Einen Monat später folgten Aufenthaltsbeschränkungen und ab Januar 1942 das Verbot, das Land zu verlassen.

Eine Verfügung vom 22. April 1942 ordnete den „Verfall des Vermögens von Juden zu Gunsten des Deutschen Reichs“ an. Sollte die Familie noch etwas Geld gehabt haben, so war es mit dieser Anordnung verloren.

Stimme A

Ab 27. Mai 1942 mussten Hanna und Hermann Marcus Mecklenburg und ihre Mutter den gelben Stern an ihrer Kleidung tragen. 

Foto 16

Transportliste 

Stimme C

Im Juli 1942 wurde in Mechelen (zwischen Antwerpen und Brüssel gelegen) das SS-Sammellager eingerichtet, um über die unmittelbar an das Lager angrenzende Bahnstrecke den Abtransport „der Juden für den Arbeitseinsatz im Osten in die Wege zu leiten“. 

Stimme A

In diesem Lager wurden über 25.000 jüdische Menschen interniert, darunter Therese, Hanna und Marcus Mecklenburg.

Bei ihrer Ankunft hatten sie letzte Wertsachen abzugeben und erhielten eine Nummer. Dann hieß es warten auf den Transport – unter erbärmlichsten Bedingungen.

Am 4. August 1942 verließ der erste von 28 Todeszügen Mechelen. Therese Mecklenburg und ihre beiden Kinder wurden eine Woche später nach Auschwitz deportiert. 

Auf der Transportliste vom 11. August 1942 von Mechelen für den zweiten Zug findet sich unter der  Nr. 303: Hermann Marcus Mecklenburg, Elektrotechniker, staatenlos, und unter Nr. 304: Hanna Mecklenburg, Haushälterin, staatenlos.

Es ist davon auszugehen, dass sie unmittelbar nach ihrer Ankunft in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet worden sind. Hanna war 20 Jahre, Hermann Marcus 15 Jahre, ihre Mutter Thea gerade 49 Jahre alt. 

Foto 17

Stimme B

Eines von drei Gedenkblättern für Hanna Mecklenburg,

ausgefüllt von ihrer Cousine Gertrud, die nach England hatte flüchten können.

In der Gedenkstätte Yad Vashem erinnern Gedenkblätter an Hanna Mecklenburg, ihre Eltern und ihren Bruder, ausgefüllt von Verwandten und einem Freund aus den Kindertagen in Lübeck, und seit dem Sommer 2007 

liegen vor dem Haus in der Mengstraße vier Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig, deren in Messing geschlagene Inschriften Passanten auf das traurige Schicksal dieser Lübecker Familie aufmerksam machen.

Foto 18

Stolpersteine vor dem Haus Mengstraße 52 in Lübeck 

Stimme C

Auch für Hannas Großmutter Margarethe Babette Falck und ihre Tante Juliane Mansbacher gibt es Stolpersteine in der Sophienstraße. 

Die Initiative Stolpersteine für Lübeck veröffentlicht ihre Recherchen auf einer Website, auf der auch die Biografie der Familie Mecklenburg zu lesen ist – auf Deutsch und Englisch. So wurden Angehörige der Familie aus Holland, Deutschland, Kanada und der Schweiz auf unsere Recherchen aufmerksam und nahmen den Kontakt zu uns und auch untereinander auf. Eef de Jong, Madeleine Williamson, Wolfgang Oudotte, Vreni und Peter Ettlinger sie sind gewisslich in ihren Gedanken hier bei uns.   

Foto 19

Foto Überreste Weißes Haus in Birkenau

Stimme B

 

Das Schicksal von Hanna und Hermann Mecklenburg begleitet seit zwei Jahren die Gedenkstättenfahrten der Schülerinnen und Schüler der Cesar-Klein-Schule Ratekau und des Ostseegymnasiums Timmendorfer Strand. 

Nach ihrer Ankunft in Auschwitz-Birkenau wurden Hanna und Hermann Mecklenburg sofort zu einer der provisorischen Gaskammern, die in ehemaligen Bauernkaten eingerichtet wurden, ermordet. Die Tötungsstätten wurden nach ihrer Außenfarbe „Rotes bwz. Weißes Haus genannt.

Foto 20

Gedenkstein am Weißen Haus

Stimme C

 

Hier am Weißen Haus gedenken die Teilnehmer*innen der Fahrt den Geschwistern Mecklenburg, deren Asche in einer großen Grube hinter dem Haus verscharrt wurde, mit mitgebrachten Steinen und roten Rosen.

 

Musik 

 


 

Lesung „Hier wohnte Hanna Mecklenburg“

Samstag, 13. November 2021, 16.00 Uhr

KunstGalerie heissingsART

Mengstr. 52, Lübeck

Heidemarie Kugler-Weiemann, Initiative Stolpersteine für Lübeck

Andrea Finke-Schaak, Ostseegymnasium Timmendorfer Strand

Günter Knebel, Cesar-Klein-Schule Ratekau

Schülerinnen und Schüler der beiden Schulen

Begrüßung: Wolfgang Heissing

Einleitung: Günter Knebel

Einführung: Heidemarie Kugler-Weiemann

Musik:

Jiddische Musik, Volker Schauer

Lesung: Käthe Wieseler, Robert Jahr, Wessam Alotba

Musik

Fortsetzung der Lesung

Musik

im Anschluss: Fragen und Austausch


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6. Jahrgang bei den Karl-May-Spielen

Am Dienstag, den 28.09.2021 fuhren die 6. Klassen mit ihren Klassenlehrern Hr. Rosenberger (6a), Fr. Finke- Schaak (6b) und Fr. Nürnberg (6c) um 07:50 Uhr nach Bad-Segeberg zuden Karl-May-Spielen. Angekommen wurden sie schon gleich von den Leitern begrüßt und jedes Kind durfte sich einen Indianerhut aussuchen. Kurz darauf ging es auch schon mit der Rundführung los.
Sie erzählten uns über die Entstehung vom Theater und was hier vorher lag. Dort war wohl ein altes Schloss, doch es wurde von den Schweden zerstört.
Die Leiter sagten uns auch etwas über den Kalkberg und seine Bedeutung. Nachdem sie uns alles über die Geschichte und Entstehung berichtet hatten, durften wir uns den Stall und das sogenannte "Lightzimmer" ansehen. Wir wurden klassenweise eingeteilt, weil nicht so viel Platz im Lightzimmer war.
Die 6a und 6b durfte zuerst und wir warteten gespannt unten, aber in der Zwischenzeit konnten wir dem Führer Fragen über Karl-May stellen. Zur gleichen Zeit aber auch Fragen schreiben für das so genannte Karl-May Quiz. Nachdem alle fertig waren, war es Zeit für den eigentlichen Grund, warum wir da waren, nämlich hinter die Kulissen zu schauen!
Alle eilten auf den Kalkberg zu und wir gingen durch einen langen Gang. Dorthin, wo die Schauspieler sich immer schnell umziehen und dann mit den Pferden hinausreiten so, dass es aussah, als ob es andere Personen wären, da viele Schauspieler eine Zweitrolle besitzen. Als wir aus dem Gang rauskamen, erzählten uns die Leiter von dem Becken, das ca. 3-5 Meter tief ist.
Es wird für die Stunts benutzt, wo die Stuntmans von 15-20 Meter Höhe hinein springen. Nachdem sie uns vieles über das Becken erzählt hatten, führten uns die Leiter zu den Requisiten, die sie für die Vorstellungen benötigen. Wir durften uns alles angucken und auch anfassen. Später sind wir dann zu den Kostümen gegangen. Das Kostüm von Winnetou hat über 4000 Perlen, die alle mit Hand in einem Muster aufgenäht werden müssen. Zum Schluss zeigten sie uns noch eine große schwarze Lokomotive, und wir fuhren mit dem Bus heim.
Bericht von Joyce, Julika, Mila (6c)

Karl-May-Spiele: Hinter den Kulissen
Am Dienstag, den 28.09.2021 um 7:50 Uhr, ist unsere Klasse(6c) gemeinsam mit den anderen 6. Klassen (6a & 6b) in zwei Bussen zu den Karl-May-Spielen gefahren. Die Aufführungen dieser Spiele finden am Kalkberg in Bad Segeberg statt.
Begleitet wurden wir von unseren Klassenlehrern Herrn Rosenberger, Frau Finke-Schaak und Frau Nürnberg. Als wir ca. nach einer Stunde Fahrtzeit am Kalkberg ankamen, haben wir erstmal gefrühstückt und einen Indianer- Kopfschmuck (Stirnband mit Feder) geschenkt bekommen. Bevor wir mit der Führung hinter die Kulissen begonnen haben, erzählten uns zwei Männer, die dort arbeiten, zunächst etwas über die Karl-May-Spiele.
Zu Beginn der Führung durften wir uns die Bühne von den Sitzplätzen aus anschauen. Danach wurden wir klassenweise in Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe durfte in den Raum für die Beleuchtungen und Töne gehen. Die zweite Gruppe ist zu den Pferdeställen gegangen. Dort gab es 22 Pferde und 32 Boxen, aus denen jede Woche 18m3 ausgemistet werden. Die letzte Gruppe durfte einem Mitarbeiter verschiedene Fragen stellen. Dabei erfuhren wir, dass pro Jahr 72 Vorstellungen erfolgen. 2019 fand die letzte Karl-May-Spiel- Saison mit der Aufführung „Unter Geiern - Der Sohn des Bärenjägers“ statt. In 2020 und 2021 konnten die Karl-May-Spiele wegen Corona nicht stattfinden. 2022 soll nun „Der Ölprinz“ aufgeführt werden. Man kann ab 16 Jahren als Statist mitspielen. Für die Zuschauer gibt es 7800 Sitzplätze.
Anschließend durften wir durch kleine Geheimgänge gehen, um auf die Bühne zu kommen. Dort haben wir uns das 2.80 - 2.90m tiefe Becken angeguckt. Danach sind wir zu den Lagerstätten für Pistolen, Kostüme und zu einer Wartezone für Pferde, die demnächst ihren Einsatz haben, gegangen. Im Waffenlager hat man uns auch das Dynamit gezeigt, das aus Holz, roter Farbe und einem Seil besteht. Darüber hinaus erfuhren wir, dass zur Herstellung von Winnetous Kostüm fünf Wochen Arbeitszeit benötigt werden und es mit ca. 150.000 Perlen besetzt ist.
Danach sind wir zu der Lok gegangen und haben noch ein Klassenbild gemacht. Am Ende unseres Besuches schauten wir uns alle nochmal die Bühne an und sind mit den Bussen wieder zur Schule gefahren. Um ca. 13:00 Uhr kamen wir dort an.
Hoffentlich finden die Karl-May-Spiele wie geplant nächstes Jahr wieder statt. Bericht von Talisa und Leni, 6c

Projekt: „…dahin wie ein Schatten“ Tag 6 Sonntag, 19.09.2021

nesAm heutigen Tag sind wir wie immer früh aufgestanden und nach dem Frühstück um 8:30 Uhr noch einmal zum ehemaligen Konzentrationslager Birkenau gefahren. An unserem zweiten Tag in Birkenau war das Thema unserer Führung: Birkenau in seiner Funktion als Vernichtungslager. Als wir aus dem Bus ausgestiegen sind, war es sehr kalt und alle waren noch ein bisschen müde. Die Stimmung war bedrückt und es wurde nicht viel untereinander geredet. Wir hatten einen großen Strauß roter Rosen dabei und sind zu Fuß zum sog. Weißen Haus gegangen. Von diesem „Weißen Haus“ waren nur ein paar kaputte Ziegelsteine und die Grundmauern übriggeblieben. Hinter einem Zaun befand sich eine grüne Wiese und drei große Gedenksteine.

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Roland berichtete, dass dies die Überreste des sog. Weißen Hauses seien, benannt nach der ehemaligen Außenfarbe des Hauses. Das Weiße Haus wie auch das Rote Haus waren früher alte Bauernhäuser, die 1942 zu provisorischen Gaskammern umfunktioniert wurden. Die Häuser wurden luftdicht isoliert, sodass die Nazis hier Tausende jüdischer Menschen mit Zyklon B vergasen konnten. Die Menschen mussten sich draußen ausziehen und wurden dann zu mehreren Hunderten in die Gaskammer getrieben. Ein Sonderkommando, was aus Häftlingen  bestand, musste die Toten auf die Wiese tragen. Dort wurden ihnen noch die Goldzähne herausgebrochen, sie wurden dann verbrannt und in einem riesigen Massengrab verscharrt. Genau hier wurden auch die Lübecker Geschwister Hanna und Hermann Mecklenburg ermordet. Wir waren alle sehr berührt und  sehr in uns gekehrt, weil wir uns im Vorfeld zu dieser Fahrt sehr intensiv mit einigen Lübecker Familien beschäftigt hatten, besonders auch mit dem Geschwisterpaar Mecklenburg. 

Lucja Nara hat dann einen Brief an Peter Mansbacher, den sie im Vorfeld der Fahrt aus der Perspektive eines Freundes geschrieben hatte, verlesen. LeAnn hat ihren Brief an Margot Prenski vorgelesen. Christoph hat ein paar Worte an  die Geschwister Hanna und Hermann Mecklenburg gerichtet. Mira hat dann einen Bericht eines Augenzeugen der Vergasungen vorgetragen. 

Wir haben dann alle eine rote Rose an den Gedenksteinen am Weißen Haus niedergelegt, und dabei an die vielen Ermordeten an diesem Ort gedacht. Die Stimmung nach dem Gedenken war bei uns allen sehr bedrückt. 

 

 

 

Nach dem Gedenken sind wir zu dem großen Denkmal auf dem Gelände von Birkenau gegangen. Das Denkmal wurde in den 60er Jahren dort errichtet, wo die beiden größten Gaskammern gestanden hatten. Von den Gaskammern sind nur noch Ruinen übrig, denn die Gaskammern wurden von der SS kurz bevor die Rote Armee Auschwitz befreit hat, gesprengt. Man wollte Beweise vernichten. Das Denkmal besteht aus mehreren Schrifttafeln in Bronze – auf jeder Tafel steht die gleiche Inschrift, aber in vielen verschiedenen Sprachen. Jede Sprache repräsentiert das Land ggf. die Länder, die viele Holocausttote zu beklagen hatten. Das Denkmal dort ist riesig. Auch dort lagen frische Schnittblumen auf den Bronzetafeln.K1024 IMG 8753

Danach sind wir über das Gelände gegangen zu der sogenannten ,,Sauna”. In der „Sauna“ vollzog sich die Aufnahme der neuen Häftlinge.

Hier durchliefen die Häftlinge verschiedene Stationen, wo sie registriert, geduscht, rasiert, desinfiziert und mit der Häftlingskleidung versehen wurden. Im letzten Raum war eine riesige Fotowand. Zu sehen waren viele Einzel- und Familienfotos aus den Beständen der Häftlinge, die ihnen hier abgenommen wurden. Die Fotos zeigten den früheren Alltag der jüdischen Familien, Fotos von Kleinkindern, Kindern beim Spielen, Hochzeitsfotos, Fotos vom Urlaub, Fotos von der Einschulung, von Familienfeiern – Fotos von Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten. Alle diese Menschen, die diese Fotos mitgebracht hatten, wurden hier getötet.

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Wir alle kennen die gigantischen Zahlen der ermordeten Menschen. Diese Fotos auf diesen riesigen Stellwänden zeigten, dass alle diese Menschen, die hier gelandet waren, Familien hatten, ein Leben hatten, uns wurde noch einmal bewusst, dass jeder Ermordete eine individuelle Geschichte hatte.  

Einzelnen von uns standen Tränen in den Augen. Ein sehr bewegender Ort, der lange auf uns nachwirkte. 

Roland führte uns dann noch zu den Krematorien II + III, die von den Nazis bei ihrer Flucht ebenfalls gesprengt wurden, und erklärte die einzelnen Funktionsabschnitte, die wir in der Nachbildung im Museum des Stammlagers gesehen hatten. In der Wirklichkeit waren die Dimensionen gewaltig, die Ruinen stehen noch so, wie sie die Rote Armee am  27. Januar 1945 vorgefunden hat.K1024 IMG 2862

Bei den Krematorien IV + V berichtete Roland von der letzten großen Vernichtungsaktion im Sommer 1944, in der über 300 000 jüdische Ungarn ermordet wurden. Am 7. Oktober 1944 gab es einen bewaffneten Aufstand des Sonderkommandos, das Krematorium IV wurde dabei teilweise zerstört. Die SS schlug den Aufstand nieder und hat über 400 Beteiligte anschließend ermordet.

Auf verschlungenen Wegen kehrten wir zurück zu unserem Bus.K1024 IMG 8744

Nach dem Mittagsessen in der Begegnungsstätte in Oswiecim räumten wir unsere Zimmer und fuhren mit dem Bus zur Franziskanerkirche der Unbefleckten Mutter Gottes in Harmeze. Dort im Kellergewölbe gab es eine riesige Ausstellung des Auschwitzüberlebenden Marian Kolodziej, der die Häftlingsnummer 432 trug. Er arbeitete in den verschiedensten Einheiten: Abbruchkommando, Kiesgrubenkommando, Straßenkommando, Industriehof II-Bauhof. Nach dem Krieg studierte er Kunst und hat als Bühnenbildner gearbeitet. Erst 50 Jahre nach Kriegsende war er in der Lage über das Erlebte in Auschwitz zu sprechen. Er verarbeitete das Grauen, in dem er das Erlebte zeichnete. Es entstand die Ausstellung „Klischees der Erinnerung. Labyrinthe“, ein unglaubliches Werk von Bleistiftzeichnungen. Wir wurden von einem Franziskanermönch durch das riesige Kellergewölbe geführt. Es waren so viele Zeichnungen dort ausgestellt, dass jeder freie Raum an den Wänden belegt war. Teilweise waren die Bilder riesig, voller Details, erschütternd und auch diese Bilder haben uns alle sehr sehr nachdenklich gestimmt. 

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Danach führen wir weiter nach Krakau. Dort bezogen wir in einem Hotel in der Innenstadt unsere Zimmer. Wir hatten dann abends vor dem Abendessen eine Stunde Freizeit und sind  in Kleingruppen durch die wunderhübsche Innenstadt von Krakau geschlendert, haben einen Blick in die berühmten Markthallen geworfen und haben uns dann in einem italienischen Restaurant zum Abendessen getroffen. Es war schön, nach diesen vielen traurigen Eindrücken während des Tages durch die beleuchtete Altstadt von Krakau zu gehen. Nach dem Abendessen sind wir alle zusammen zum Hotel zurückgegangen.  
Fortsetzung folgt …
Jette Flebbe und Cecil Sailer, 11. Jg.

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