Franz Stangl

Remember

Luna, Q1-Jahrgang, OGT

Das Zitat von Franz Stangl, dem Kommandanten des Vernichtungslagers Treblinka, hat mich tief bewegt, weil es zeigt, wie schwierig der Umgang mit persönlicher Schuld nach dem Holocaust war. Stangl sagt: „Mein Gewissen ist rein bezüglich dessen, was ich getan habe. Ich selbst habe nie absichtlich jemandem weh getan. Aber ich war dabei.“

Diese Worte wirken auf den ersten Blick wie ein Versuch, sich zu rechtfertigen. Er behauptet, er habe niemandem direkt Schaden zugefügt, erkennt aber gleichzeitig, dass er Teil eines Systems war, das unermessliches Leid verursacht hat. Gerade dieser Widerspruch zeigt, wie Menschen versuchen, ihre eigene Verantwortung zu verdrängen oder zu relativieren.

Mich berührt vor allem der letzte Satz: „Meine Schuld ist, dass ich noch da bin. Das ist meine Schuld.“ Mit dem Satz „ … dass ich noch da bin“ meint Stangl vielleicht, dass er nicht geflohen ist (wie viele andere Nazi-Größen) oder dass er nicht Selbstmord begangen hat. Stangl scheint nicht zu erkennen, dass bloße Beteiligung am System des Tötens Schuld bedeutet, auch wenn er nicht selbst Hand anlegte. Schweigen und Mitmachen bedeuten genauso Schuld wie aktives Handeln. Und dann frage ich mich, wie kann ein Kommandant eines Vernichtungslagers so dreist sein und behaupten, dass sein Gewissen rein sei. 

Das Zitat hat mich daran erinnert, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen,  nicht nur für das eigene Tun, sondern auch für das, was man geschehen lässt. In Auschwitz zu stehen und solche Worte zu lesen, macht bewusst, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht nur durch einzelne Täter, sondern durch viele Mitwirkende möglich wurden, die „nur ihre Pflicht taten“.

 

Diese Erkenntnis ist für mich eine Mahnung, niemals wegzusehen, wenn Unrecht geschieht. Geschichte darf sich nicht wiederholen  und das beginnt damit, dass wir heute Verantwortung übernehmen. Für mich bedeutet das konkret, im Alltag aufmerksam zu sein, Ungerechtigkeiten nicht zu ignorieren und meine Stimme zu erheben, wenn jemand ausgegrenzt oder unfair behandelt wird. Ich möchte nicht schweigen oder wegschauen, sondern aktiv dazu beitragen, dass Respekt und Menschlichkeit nicht nur Worte bleiben, sondern wirklich gelebt werden.