Remember

Johannes, Q1-Jahrgang, OGT

Auf unserer Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz ist mir ein Zitat besonders im Gedächtnis geblieben. In der Synagoge Rykestraße in Berlin hörten wir die Worte einer Frau, die sagte:

„Mein Sohn sollte sich für die Klassenfahrt einen deutscheren Namen überlegen.“

Diese Frau schaltete sich in das Gespräch ein, nachdem jemand von uns beim Besuch der Synagoge eine Frage gestellt hatte. In der Frage ging es darum, ob man als Jude noch heute – hier in Berlin – Abneigung von anderen verspürt. Die Frau sagte, dass man nichts direkt spüre, aber, wenn man vor einer Klassenfahrt seines Sohnes, dazu aufgefordert wird, seinen jüdischen Namen zu verändern, damit er deutsch klinge und so mein Sohn nicht direkt als Jude erkannt werden könne – in solchen Momenten spürt man doch eine Art von Abneigung. 

Dieses Zitat hat mich tief bewegt, weil es zeigt, dass das Jüdischsein in Deutschland eben nicht normal ist. Jüdisch sein bedeutet sich immer wieder zu sorgen und zu ängstigen. Selbst wenn die betroffene Person keine Gefahr sieht – der jüdische Sohn hatte keine Angst, er wollte einfach an der Klassenfahrt teilnehmen. Die Lehrerin aber sorgte sich, dass sein jüdischer Name Probleme bereiten könnte, und dachte vorsorglich darüber nach, ihn zu „verändern“.

Für mich verdeutlicht das Zitat, wie tief der Antisemitismus und die Diskriminierung in der Gesellschaft verwurzelt ist. Schon ein Name reicht aus, um bedroht werden zu können. 

 

Es regt zum Nachdenken an. Die Lehrerin meinte es sicherlich nur gut, aber ein solcher Satz zeigt doch, wie subtil Diskriminierung sein kann. Indem die Lehrerin der Mutter diesen Ratschlag gegeben hat, hat sie der Mutter klar zu verstehen gegeben, dass Jüdischsein in Deutschland eben nicht ganz normal ist, sondern das man dies lieber verheimlichen sollte.

Dieses Zitat hat mir gezeigt, das sich Antisemitismus nicht nur in direkter Bedrohung oder direkter Beschimpfung zeigt. Antisemitismus ist viel subtiler. Die Lehrerin war sicherlich nicht antisemitisch, aber aus Sorge um andere hat sie die Familie durch die Blume darauf hingewiesen, das Jüdischsein ein Stigma ist. Mir zeigt diese Begebenheit, wie wichtig es ist, sensibel mit Sprache umzugehen.

Es ist wirklich traurig, dass sich dieser Junge Gedanken um seinen Namen machen muss. Man sollte eigentlich denken, dass diese Zeiten lange vorbei sind. Sind sie offenbar nicht. Deswegen trifft mich dieses Zitat so sehr.