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Vortrag der Auschwitz-Fahrer/innen am OGT 2018

Vortrag der Auschwitz-Fahrer/innen am OGT 2018

Vortrag der Auschwitz-Fahrer/innen am OGT

 

Am 04. Februar 2019 im zweiten Block berichteten Schülerinnen und Schülern der Cesar-Klein-Schule und des Ostsee-Gymnasiums in der Aula des OGT über die gemeinsame Auschwitzfahrt, die im September 2018 stattgefunden hat. Zuhörer waren alle Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 9, des E-Jahrgangs sowie des Q1 Jahrgangs.

Bereits am vorherigen Freitag hatten die Schüler/innen der Oberstufe die Ehre, Herrn Szarf, einem Zeitzeugen des Holocausts, zuhören zu dürfen.

Eingeleitet wurde der Vortrag von Frau Finke-Schaak, Herrn Knebel von der Cesar-Klein-Schule, der die Auschwitzfahrt begleitet hat, sowie von Schülerseite von Amelie Schwaab (Q1c). Die elf Referenten berichteten sehr persönlich von ihren Erfahrungen, die sie auf der fünftägigen Reise nach Auschwitz gemacht hatten.

Die Aula war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Zuhörer waren von den Berichten ihrer Mitschüler sehr berührt. In dem Vortrag wurden einzelne Bereiche im Stammlager Auschwitz genauer erklärt, beispielsweise die Erschießungswand, die Halle mit den Koffern der Häftlinge, die Halle mit den Haaren der Ermordeten.  Anhand von einer begleitenden Bildergalerie im Hintergrund, konnten sich die Zuschauer das Gesprochene besser vorstellen. So wurden Fotos von den Kinderbaracken gezeigt, oder die lange Reihe mit den Plumpsklos, oder die Krematorien. Es waren Schockbilder, in der Aula war es sehr still.

Dann wurde über das Außenlager Birkenau berichtet, man konnte in vielen Gesichtern den Schock sehen, als erzählt wurde, Birkenau hätte die Größe von 175 Fußballfeldern. Eine Schülerin berichtete, wie sie sich gefühlt hatte, als sie auf den kleinen „Bahnhofsteig“ gestanden hat, wo die Selektionen stattgefunden hatten. Innerhalb von Sekunden hatte die SS entschieden, ob einer sofort in die Gaskammern geführt wurde oder ob er ins Arbeitslager gesteckt wurde, wo immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer blieb, vielleicht doch zu überleben. Was vielen auf den ersten Blick nicht klar war, dass ein Teil von Birkenau zwar mittlerweile aussieht wie ein friedlicher begrünter Wald/Spazierweg, aber in Wirklichkeit ein Massengrab darstellt, auf dem Gras gewachsen ist. Hier nannte die Referentin das Stichwort „Vergessenheit“. Wenn kein Hinweisschild darauf aufmerksam machen würde, wüsste niemand, dass man gerade auf einem Massengrab steht.

Von Auschwitz führte die Fahrt weiter nach Krakau. Dort haben die Teilnehmer der Fahrt das ehemalige Judenghetto besichtigt. Als dieses Ghetto 1943 geräumt wurde, wurden die dort lebenden Juden entweder erschossen, nach Belzec oder Auschwitz deportiert und die noch arbeitsfähigen Juden wurden ins Konzentrationslager Plaszow gebracht. Von dem KZ Plazow ist nichts mehr übrig geblieben, außer ein paar Trümmern und einem Denkmal. Es ist erschreckend, dass auch hier „Gras über die Geschichte“ gewachsen ist und der Ort des Grauens nicht mehr sichtbar ist.

In Krakau hatte die Gruppe auch die Gelegenheit mit einer Zeitzeugin zu sprechen. Es handelte sich um das Kind einer russischen Zwangsarbeiterin, die im Alter von 3 Jahren ins KZ kam. Sie berichtete, dass Kinder ihren Eltern weggenommen wurden, viele der überlebenden Kinder fanden nach dem Ende des Krieges ihre Eltern nicht mehr, sie mussten bei Pflegefamilien aufwachsen. Die  Kinder im KZ waren so sozialisiert, dass sie keine Empathie empfinden konnten. Sie spielten KZ, selektieren und sich totschießen …

Der Vortrag war sehr informativ, sehr berührend und wichtig. Die Auschwitz-Fahrer/innen hatten die Gelegenheit ihre Erfahrungen mit ihren Mitschülern zu teilen, aber es ging auch darum, die Mitschüler und Mitschülerinnen aufzurütteln. So endete der Vortrag mit einem sehr nachdenklich stimmenden Schlussappell. Louisa, Schülerin der Cesar-Klein-Schule sagte, unsere Generation trüge zwar nicht die Schuld für den Nationalsozialismus aber dennoch die Verantwortung, einer Wiederholung entgegenzuwirken. Daher seien wir, als Zeugen von Zeitzeugen, von großer Bedeutung. Wir tragen nun die Verantwortung, dass die Gräueltaten eben nicht vergessen werden.

Eine wichtige Metapher fiel in einer der  Anfangsreden. Der Ehemann von Frau Atzmon, eine Holocaustüberlebende, die im letzten Jahr zum Holocaust-Gedenktag unsere Schule besucht hat, wurde zitiert: „Ein kleines Feuer kann man noch löschen, wird es aber größer, ist es zu spät.“ Auch der Nationalsozialismus fing einmal klein an.

In diesem Kalenderjahr soll die Fahrt nach Auschwitz wieder ermöglicht werden. Diese Reise gab uns Einblicke, die ein normaler Tourist so einfach nicht bekommt. Wir wurden mit unserer eigenen Geschichte konfrontiert, das hat bei uns allen tiefe Eindrücke hinterlassen. Wir können es allen Schüler/innen daher nur ans Herz legen, diesen Ort zu besuchen und das aus Büchern gelernte Wissen dort hautnah zu erleben.

Dénise Golz, Klasse Q1c, Februar 2019

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