Projekt: „…dahin wie ein Schatten“ - Lesung: „Hier wohnte Hanna Mecklenburg“

Veranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe Zeit des Erinnerns

Am Samstag, den 13. November 2021, fand die Lesung „Hier wohnte Hanna Mecklenburg“, in der über das Leben der jüdischen Geschwister Hanna und Herrmann Mecklenburg und deren Familie informiert wurde, statt. 2a MecklenburgHanna und Marcus

Auch diese Lesung ist ein Puzzelteil des Projektes „… dahin wie ein Schatten“, ein Kooperationsprojekt der Schülerinnen und Schüler der Cesar-Klein-Schule Ratekau und des Ostsee-Gymnasiums Timmendorfer Strand. Die Schicksale der Geschwister Hanna und Hermann Marcus Mecklenburg begleiten seit zwei Jahren die Gedenkstättenfahrten unserer beiden Schulen.

Bereits am Freitag vor der Lesung haben sich die Schüler/-in Käthe-Marie Wieseler (OGT), Wessam Alotba (CKS) und Robert Jahr (OGT) zu einer Generalprobe in der Mengstraße 52, dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Mecklenburg, getroffen, um sich mit der Umgebung und den Texten vertraut zu machen. 

Dieses alte Giebelhaus war seit 1885 im Familiensitz der Mecklenburgs und diente sowohl als Zuhause für die große Familie von Hannas Großvater Hermann Mecklenburg und gleichzeitig als Firmensitz seiner Papierwaren-Großhandlung, die dieser später mit seinen Söhnen führte. So wuchsen Hanna und ihr kleiner Bruder Hermann Marcus in den 1920er Jahren im Kreise einer großen Familie in der Mengstraße 52 auf. 

Dieses Haus befindet sich heute im Besitz der Familie Heissing, die sich für die Erhaltung des geschichtlichen Hauses und dem Gedenken an die Familie Mecklenburg einsetzt. Seit dem Sommer 2007 liegen vor dem Haus in der Mengstraße vier Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig, deren in Messing geschlagene Inschriften Passanten auf das traurige Schicksal dieser Lübecker Familie aufmerksam machen sollen.18 mengstrasse 52stolpersteine

Das Erdgeschoss wird heute als Galerie genutzt, dort im Inneren befindet sich ebenfalls eine im Boden befestigte Gedenktafel mit den Namen der Familie Mecklenburg.

Hanna dürfte Schülerin der Ernestinenschule gewesen sein, wie es schon ihre Mutter und deren Schwestern waren. Ihr kleiner Bruder wird vermutlich in die 1934 eingerichtete Volksschule der jüdischen Gemeinde eingeschult worden sein. 

Die eigentliche Lesung „Hier wohnte Hanna Mecklenburg“ begann am darauffolgenden Tag um 16 Uhr. Ein aufgebauter Beamer projizierte alte Bilder der Familie Mecklenburg, u. a. auch des alten Wohnhauses, auf einer Leinwand, um den Besuchern eine bildliche Vorstellung des damaligen Lebens dieser Familie zu geben. Insgesamt erschienen ca. 45 Besucher, darunter Eltern, Lehrer*innen, (ehemalige) Schüler*innen und interessierte Lübecker, die durch den Zeitungsbericht in den Lübecker Nachrichten auf die Veranstaltung aufmerksam geworden waren. Es war eine besondere Atmosphäre an diesem Nachmittag in diesem Haus, hier also lebten Hanna und Hermann Mecklenburg, für die wir vor 6 Wochen am Ort ihrer Ermordung eine Gedenkfeier veranstaltet haben. 
Die Lesung begann mit einer Begrüßung durch Günter Knebel, pensionierter Lehrer der Cesar-Klein-Schule Ratekau. Dieser leitet zusammen mit Andrea Finke-Schaak, Lehrerin des OGTs, das Projekt „… dahin wie ein Schatten“. 
Heidemarie Kugler-Weiemann, Mitglied der Initiative Stolpersteine in Lübeck, sprach ebenfalls einige Grußworte. K1024 IMG 9329

Sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass diese Lesung überhaupt stattfinden konnte. Sie entwickelte den vorzutragenden Text und trug durch ihre Recherchen viele Informationen über die Mecklenburgs zusammen. Wie Frau Finke-Schaak zum Schluss dann auch verriet, ist Frau Kugler-Weiemann Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und, worauf sie besonders stolz ist, Trägerin des Obermayer German Jewish History Award. Für diesen Preis wird man von jüdischen Mitbürgern vorgeschlagen. Die Verleihung dieses besonderen Preises bedeutet eine besondere Ehre für Frau Kugler-Weiemann. Sie ist die einzige Preisträgerin dieses Obermayer Preises aus Schleswig-Holstein. 

Die Initiative „Stolpersteine für Lübeck“ veröffentlicht ihre Recherchen auf einer Website, auf der auch die Biografie der Familie Mecklenburg zu lesen ist. So wurden Angehörige der Familie aus Holland, Deutschland, Kanada und der Schweiz auf die Recherchen aufmerksam und nahmen Kontakt zu Heidemarie Kugler-Weiemann, aber auch untereinander auf. 

Nun begann die eigentliche Lesung, vorgetragen von Käthe-Marie Wieseler (OGT), Wessam Alotba (CKS) und Robert Jahr (OGT). Die Lesung wurde mit jiddischen Liedern untermalt, die Volker Schauer begleitet mit seiner Gitarre vortrug.K1024 IMG 9338

Es war eine sehr emotionale Lesung. Am Ende gab es viel Applaus und Danksagungen von Frau Finke-Schaak für die Familie Heissing, die ihre Galerie zur Verfügung gestellt hat, für Volker Schauer, der kurzfristig eingesprungen war, weil die ursprünglich geplanten Musiker krankheitsbedingt absagen mussten, für Frau Heidemarie Kugler-Weiemann, für ihren Einsatz und für ihr großes Engagement gegen das Vergessen und natürlich für uns Schüler. Frau Finke-Schaak betonte, dass - auch wenn wir leider in den letzten Jahren immer mehr mit Antisemitismus konfrontiert werden -  so doch unser Projekt und das Engagement von uns Schülern, Hoffnung gibt und einen Gegenpol bildet zu Ausgrenzung und Rassismus. K1024 IMG 9352

Nach einer halben Stunde Pause ging es dann 20 m entfernt im KoKi – im Kommunalen Kino Lübeck weiter. Hier wurde der 2019 gedrehte Film Licht ins Dunkel von Finn Nissen über die Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz gezeigt. Bisher gab es drei gemeinsame Gedenkstättenfahrten von Schülerinnen und Schüler der CKS und des OGT. Es waren  Schüler*innen aller drei Fahrten gekommen. Vor der Aufführung des Films hielt Herr Knebel ein paar einführende Worte. Als der Film endete, gab es regen Applaus aus dem Publikum. Nun saßen 5 Schüler und Schülerinnen (aus drei verschiedenen Gedenkstättenfahrten) sowie der Filmemacher Finn Nissen auf dem Podium und stellten sich den Fragen des Publikums. So wurde beispielsweise gefragt, wie die Schüler bzw. Schülerinnen diese vielen sehr emotionalen Eindrücke verarbeitet haben, wie ihre Familien nach der Rückkehr reagiert haben, wie das Interesse für das Thema im Freundeskreis gewesen sei, ob sich heute ihre Seh- und Lesegewohnheiten geändert hätten, wenn über das Thema Nationalsozialismus berichtet wird. Die Schüler*innen auf dem Podium haben sehr eindrucksvoll von dem Erlebten berichtet. So berichtete eine Schülerin davon, dass sie eingegriffen hat, als offensichtlich ein Fahrgast im öffentlichen Verkehrsmittel rassistische Bemerkungen von sich gegeben hat (sie erhielt Zwischenapplaus), ebenfalls waren sich alle Schüler*innen einig, dass sie sich jetzt Dokumentationen zu diesem Thema anschauten, dass sie viel sensibler für das Thema geworden seien. Zum Schluss dankten die Schüler den beiden Lehrkräften für ihr großes Engagement. K1024 IMG 9351K1024 IMG 9354

Hanna und Hermann Mecklenburg mussten viel zu früh sterben. Wir haben aber heute dazu beigetragen, dass die Nationalsozialisten es nicht geschafft haben, ihre Identität auszulöschen. 

Robert Jahr, OGT

 

View the embedded image gallery online at:
http://ostsee-gymnasium.de/ogt/news#sigProId4064553eb4

 


 

Wir danken den Lübecker Nachrichten für die Genehmigung zur Veröffentlichung des folgenden Artikels: 

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Download Zeitungsartikel


 

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung auf unserer Homepage durch die Wochenzeitung Der Reporter.

Artikel Reporter 24.11.21

Artikel-Reporter-24.11.21


   

Wir danken Heidemarie Kugler-Weiemann, Initiative Stolpersteine für Lübeck, für die Zuverfügungstellung ihrer Recherchen über die Familie Mecklenburg.

Erinnerung an Hanna Mecklenburg

 in der Galerie Heissingart, Mengstraße 52

am 13. November 2021

Einführung: Heidemarie Kugler-Weiemann 

Foto 1

Hanna Mecklenburg und ihr Bruder Hermann Marcus Mecklenburg

Stimme A

Hanna Mecklenburg wurde am 30. Juli 1922 in Lübeck geboren, vor nahezu einhundert Jahren also. Ihr Bruder Hermann Marcus kam fünf Jahre später am 20. Juli 1927 zur Welt. Das Foto zeigt die beiden im Alter von etwa 13 bzw. 8 Jahren, es dürfte 1935 aufgenommen worden sein.

Die Eltern der Geschwister waren Therese, genannt Thea Mecklenburg, geborene Falck und Heinrich Herbert Mecklenburg. Die Familie wohnte hier in der Mengstraße 52 in einem der hohen alten Giebelhäuser,

das sich schon seit 1885 im Familienbesitz befunden hatte.

Foto 2

Mengstraße 52

Stimme B

Hannas Großvater Hermann Mecklenburg hatte das Haus erworben als Zuhause für seine große Familie und als Firmensitz der Papierwaren-Großhandlung, die er 1870 gegründet hatte und später zusammen mit seinen Söhnen führte.

Foto 2a

Anzeige Lübecker Adressbuch 1914: 

H. Mecklenburg & Co. Papier Großhandlung

 

Stimme B 

Hannas Großvater Hermann Mecklenburg war 1841 in Moisling geboren. Sein jüdischer Vorname lautete Heimann Juda. 

Foto 3

Hermann Mecklenburg

Stimme C

In der Mengstraße lebte er mit seiner zweiten Frau Friederike und den zehn Kindern aus zwei Ehen.

Hannas Vater Heinrich Herbert wurde 1886 als zweitjüngstes Kind geboren. Er und alle seine Geschwister wuchsen in Lübeck auf, gingen hier zur Schule und besuchten den Religionsunterricht in der neugebauten großen Synagoge in der St.Annen-Straße beim Rabbiner Salomon Carlebach. 

Foto 4

Hochzeit von Dina Mecklenburg mit Maurice / Marcus Blitz 1907 in Lübeck

Stimme B

Die Söhne der Familie absolvierten nach Abschluss der Schule kaufmännische Ausbildungen in der Papierbranche. Die beiden ältesten stiegen wie Hannas Vater in die väterliche Firma ein und blieben in Lübeck wohnen, während alle anderen Geschwister die Stadt verließen.

Die drei älteren Schwestern von Hannas Vater gingen Ehen mit holländischen Kaufleuten ein.

Das Foto zeigt die große Hochzeitsgesellschaft im Sommer 1907 in Lübeck, die Dinas Eheschließung durch den Rabbiner Salomon Carlebach mit Maurice Blitz feierte. 

   

Foto 5 FOTO-Fächer 

Stimme C

Im Ersten Weltkrieg meldeten sich alle fünf Söhne der Mecklenburgs als freiwillige Kriegsteilnehmer, ein deutliches Zeichen für die starke Assimilation dieser jüdischen Familie. 

Der Vater Hermann Mecklenburg erlebte den Krieg nicht mehr, er starb im Februar 1913, seine Frau im August 1915. 

Foto 6 

Adolph und Margarethe Babette Falck 

Stimme B

Ihre Großeltern väterlicherseits hat Hanna Mecklenburg somit gar nicht mehr kennen gelernt, wohl aber die Eltern ihrer Mutter, Abraham Adolph Falck und Margarethe Babette Falck, geborene Marcus. Sie wohnten nicht weit entfernt von der Mengstraße in der Beckergrube. 

Hannas Mutter Therese, Thea genannt, war 1893 als die zweitjüngste von sechs Töchtern geboren.    

Foto 7

Hanna und ihre Cousine Friederike, Friedel genannt, im Garten der Plönniesstraße 

Stimme A

So wuchsen Hanna und ihr kleiner Bruder in den 1920er Jahren im Kreise einer großen Familie in Lübeck auf. Geburtstage und Festtage dürften Anlass für gemeinsame Feiern und gegenseitige Besuche der Verwandten gewesen sein. Onkel, Tanten, Cousinen und Vettern wohnten nicht weit entfernt in der Lindenstraße, Sophienstraße und An der Mühlenbrücke. 

Foto 8

Schülerinnen und Schüler der Religionsschule der jüdischen Gemeinde

1935

Stimme C

Auf diesem großen Gruppenfoto der Religionsschule aus dem Jahr 1935 sehen wir den Rabbiner Dr. David Winter und weitere Lehrkräfte und Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters, darunter

Hanna Mecklenburg,

ihren Bruder Hermann Marcus,

ihre Cousine Friederike, Friedel gerufen,

und ihren Vetter Peter Mansbacher.

Stimme A

Hanna und auch Friedel Mecklenburg dürften Schülerinnen der Ernestinenschule gewesen sein, wie es schon die Schwestern ihrer Väter und auch Hannas Mutter und deren Schwestern gewesen waren.  

Peter Mansbacher besuchte bis 1938 das Johanneum, war schließlich der einzige jüdische Schüler dort. 

Hannas kleiner Bruder Hermann Marcus wird vermutlich in die 1934 eingerichtete Volksschule der jüdischen Gemeinde eingeschult worden sein und Unterricht bei Dr. Winter und den Lehrern in den Räumen der Synagoge gehabt haben.

Foto 9

Maurice Blitz und Hanna Mecklenburg am 30.6.1935 

Stimme B

War die Familie in Lübeck schon groß, so gab es darüber hinaus enge familiäre Beziehungen zu den Verwandten außerhalb. Briefe wurden gewechselt, und Besuche fanden statt. Ganz sicher kamen alle Angehörigen anlässlich zweier Trauerfeiern nach Lübeck. 

Stimme A

Dieses Foto zeigt Hanna Mecklenburg mit ihrem Onkel Maurice Blitz aus Holland am 30.6.1935. 

Dieses Treffen mit den Verwandten aus Holland im Sommer 1935 war sicher eine große Freude und Abwechslung im bedrückender werdenden Alltag. Schon mehr als zwei Jahre hatten Hanna und ihre Angehörigen erleben müssen, wie die Politik der herrschenden Nationalsozialisten immer stärker zu ihrer Ausgrenzung und Entrechtung führte und wie die Sorgen in ihrer Familie wie in allen jüdischen Familien wuchsen. Firma und Haus gehörten seit einem Konkurs Ende der 1920er Jahre nicht mehr der Familie, aber Hannas Vater hatte bislang weiter Beschäftigung in der Papierhandlung und die Wohnung im Haus. Aber würde er als Jude nicht demnächst entlassen, ihm die Wohnung gekündigt?

Was sollte man tun? Bleiben?  Auswandern? Aber wohin? Und welches Land würde die betagte Großmutter Margarethe Falck aufnehmen, die seit dem Tod des Großvaters bei der Familie in der Mengstraße wohnte ? 

Hannas Cousine Gertrud hatte schon 1933 mit ihrem Mann und Sohn Deutschland verlassen und lebte nun in London; eine weitere bereitete sich intensiv auf die Auswanderung nach Palästina vor. Auch Hanna dürfte sich als Zionistin gesehen haben und einen Weg nach Palästina angestrebt haben.

Foto 10 

Stimme A

Hanna in der Gruppe „Brith Hanoar“

Dieses Bild aus dem Jahr 1935 zeigt sie mit ihren Freundinnen und Freunden des zionistischen Jugendbundes „Brith Hanoar“ in den Segeberger Kalkfelsen.

Bis auf Hanna und diesen jungen Mann gelang es allen anderen Jugendlichen, während der nächsten Jahre Einreisevisa für Palästina zu bekommen. 

Foto 11

Geburtstag der Großmutter in der Mengstraße 52

Stimme C

Ebenfalls 1935 wurde Hannas Großmutter Margarethe Babette Falck 80 Jahre alt, Anlass für eine Familienfeier in der Mengstraße 52 und für ein Foto. 

Am Kopf der Tafel sitzt die Jubilarin. Hinter ihr steht ihre Tochter Therese mit ihren Kindern Hanna und Hermann Marcus und ihrem Mann Herbert Mecklenburg. 

Am Tisch sitzen weitere vier ihrer Töchter: 

Alice Wrescher, geborene Falck ist die Zweite von links. Sie wurde nach Riga deportiert und kam dort ums Leben. 

Emmy Ettlinger, geb. Falck, die Dritte von links wurde mit ihrer Familie von Karlsruhe nach Gurs deportiert. Sie überlebte. 

Gertrud Fürst, geb. Falck, die Dritte von rechts, überlebte Auschwitz und starb 1948 in Hamburg. Ihr Mann Henry, der hinter ihr stehend zu sehen ist, wurde in Auschwitz umgebracht.

Juliane Mansbacher, geb. Falck, die Zweite von rechts, wurde in Auschwitz ermordet. 1942 kam sie zusammen mit der Mutter, der dann 87 jährigen Margarethe Falck nach Theresienstadt, wo diese nach kurzer Zeit verstarb.

Martin Mansbacher, Julianes Mann, ganz links zu sehen, starb 1940 nach schwerer Krankheit in Lübeck. Ihr Sohn Peter, ganz rechts im Bild, konnte mit einem Kindertransport nach England gerettet werden. 

Friedel Mecklenburg, die links steht, konnte mit ihrer Mutter nach Argentinien flüchten.

Musik­

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Stimme B

Im September 1938 konnte Hannas Vater Herbert Mecklenburg nach Belgien auswandern, und seine Frau folgte ihm mit den Kindern im Oktober 1938 nach Wezembeek bei Brüssel. Dort waren seit längerem Herberts Schwester Dina und ihr Mann Maurice Blitz ansässig. Sie dürften bei der Beschaffung der Einreisevisa behilflich gewesen sein, denn außer dem Nachweis eigenen Vermögens war eine Arbeitsgenehmigung unabdingbar. 

Doch der Fluchtort konnte Hannas Familie nur vorübergehend Sicherheit bieten  - bis zur Besetzung durch die Deutschen im Mai 1940. 

Dina und Maurice Blitz schafften es noch, Belgien zu verlassen und mit einem Schiff von Lissabon nach New York zu entkommen.

Foto 12

Passfoto von Heinrich Herbert Mecklenburg, aufgenommen wahrscheinlich mit der Registrierung im belgischen Judenregister

Stimme C

Hannas Vater Heinrich Herbert Mecklenburg wurde festgenommen und zusammen mit vielen anderen jüdischen Männern nach Südfrankreich in das Internierungslager Camp de St. Cyprien gebracht. Später wurde er ins Lager Gurs verlegt. 

Foto 12a

Lager Gurs – gezeichnet von seiner Schwägerin Emmy Ettlinger. 

 

 

Stimme B

Auszüge aus zwei Briefen, welche Herbert Mecklenburgs Schwägerin Emmy Ettlinger-Falck aus dem Deportationslager Gurs in Südfrankreich ihrem Sohn Leopold Ettlinger und seiner Frau in die Schweiz schickte.

Camp de Gurs, 1.1.1941

…  Heute war ein trauriger Tag. Seit ich hier bin, suche ich nach Onkel Herbert, und zwar bei allen dafür zuständigen Stellen. Eine Adresse hatte ich nicht, obgleich ich mindestens 10 Leute beauftragt hatte, ihn mir zu suchen. Endlich traf ich einen Rabbiner, Dr. Ansbacher. (…) Dieser schickte mir gestern Abend eine Botschaft, ich solle ihn im Krankenbaracke besuchen. Als ich kam, war er vor einigen Stunden gestorben. Ihr könnt euch meine Gefühle denken. Er war schon in der Leichenhalle und ich eilte dort hin, konnte ihn aber nicht mehr sehen. So ging ich zurück in die Direktion und in die Baracke und liess mir erzählen, was nun ging. Ausserdem liess ich mir den Ehering und einen Brief vom 4.11.1940 von Thea geben. Leider stand nichts von Grossmutter drin, was ich so sehr erhofft hatte. Mehr Briefe soll er nicht bekommen haben, auch hatte er keine Bilder bei sich. Die Uhr habe er schon in St. Cyprien verkauft gehabt und konnte davon gut leben. Hier hatte er nichts mehr, und das war schlimm.

Seine Krankheit fing mit Schwächeanfällen (Hinfallen) an, und er bekam ein schlimmes Bein. Deshalb kam er in den Krankenbaracke. Zuletzt hörte er gar nicht mehr, schon mehrere Tage. Er lag aber stets friedlich und hatte keinerlei Schmerzen. Jedenfalls litt er nicht. Sollten die Kameraden noch etwas finden, werden sie es mir zur Beerdigung mitbringen. Sie sprachen alle reizend von ihm und haben ihn als den stillen, feinen Menschen erkannt, der er ja wirklich war. Dass ich, an der er so sehr hing, ihm seine letzte Zeit nicht erhellen und erleichtern konnte, tut mir in der Seele weh. Thea ist in Uccle, hat aber noch ihre Adresse chez Mme de Becker, 339 Avenue Molière.  …  

Stimme C

Camp de Gurs, 3.1.1941

Meine Lieben!

Heute haben wir nun Onkel Herbert zur letzten Ruhe begleitet, und er wurde mit vielen anderen zusammen, d.h. es waren 10 Gräber, begraben. Als ich ihm die Erde hinunterwarf, dachte ich, dass diese Erde gastreich für alle ist. In dieser wunderbaren Gegend wirkt alles intensiv auf mich, so auch, als der Rabbiner sagte, wer nicht vergessen ist, der ist auch nicht tot. …

Foto 13

Karteikarte von Hanna Mecklenburg im Judenregister

Stimme B

Ab 28. Oktober 1940 mussten sich in Belgien alle Juden ab dem 15. Lebensjahr in ein Register am Wohnort eintragen lassen. Auch eine katholische Taufe, die Therese, Hanna und Marcus Mecklenburg hatten vornehmen lassen, konnte dies nicht verhindern.

Foto 14

 

Passfoto von Hanna Mecklenburg

 

Stimme A

Laut der Eintragungen im „Judenregister“ hatten Hanna und ihre Mutter zum Zeitpunkt der Registrierung eine andere Adresse als Marcus, es gab also keine gemeinsame Wohnung mehr. 

Foto 15

Passfoto von Hermann Marcus Mecklenburg

Stimme C

Hermann Marcus war noch Schüler, aber Hanna wie ihre Mutter als Dienstmädchen beschäftigt. 

Stimme B

Ende Juli 1941 wurden die Bürgermeister der Gemeinden angewiesen, die „Judenregister“ an die Sicherheitspolizei in Brüssel weiter zu leiten,

und die Pässe der Familie wurden mit einem großen J gekennzeichnet. 

Einen Monat später folgten Aufenthaltsbeschränkungen und ab Januar 1942 das Verbot, das Land zu verlassen.

Eine Verfügung vom 22. April 1942 ordnete den „Verfall des Vermögens von Juden zu Gunsten des Deutschen Reichs“ an. Sollte die Familie noch etwas Geld gehabt haben, so war es mit dieser Anordnung verloren.

Stimme A

Ab 27. Mai 1942 mussten Hanna und Hermann Marcus Mecklenburg und ihre Mutter den gelben Stern an ihrer Kleidung tragen. 

Foto 16

Transportliste 

Stimme C

Im Juli 1942 wurde in Mechelen (zwischen Antwerpen und Brüssel gelegen) das SS-Sammellager eingerichtet, um über die unmittelbar an das Lager angrenzende Bahnstrecke den Abtransport „der Juden für den Arbeitseinsatz im Osten in die Wege zu leiten“. 

Stimme A

In diesem Lager wurden über 25.000 jüdische Menschen interniert, darunter Therese, Hanna und Marcus Mecklenburg.

Bei ihrer Ankunft hatten sie letzte Wertsachen abzugeben und erhielten eine Nummer. Dann hieß es warten auf den Transport – unter erbärmlichsten Bedingungen.

Am 4. August 1942 verließ der erste von 28 Todeszügen Mechelen. Therese Mecklenburg und ihre beiden Kinder wurden eine Woche später nach Auschwitz deportiert. 

Auf der Transportliste vom 11. August 1942 von Mechelen für den zweiten Zug findet sich unter der  Nr. 303: Hermann Marcus Mecklenburg, Elektrotechniker, staatenlos, und unter Nr. 304: Hanna Mecklenburg, Haushälterin, staatenlos.

Es ist davon auszugehen, dass sie unmittelbar nach ihrer Ankunft in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet worden sind. Hanna war 20 Jahre, Hermann Marcus 15 Jahre, ihre Mutter Thea gerade 49 Jahre alt. 

Foto 17

Stimme B

Eines von drei Gedenkblättern für Hanna Mecklenburg,

ausgefüllt von ihrer Cousine Gertrud, die nach England hatte flüchten können.

In der Gedenkstätte Yad Vashem erinnern Gedenkblätter an Hanna Mecklenburg, ihre Eltern und ihren Bruder, ausgefüllt von Verwandten und einem Freund aus den Kindertagen in Lübeck, und seit dem Sommer 2007 

liegen vor dem Haus in der Mengstraße vier Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig, deren in Messing geschlagene Inschriften Passanten auf das traurige Schicksal dieser Lübecker Familie aufmerksam machen.

Foto 18

Stolpersteine vor dem Haus Mengstraße 52 in Lübeck 

Stimme C

Auch für Hannas Großmutter Margarethe Babette Falck und ihre Tante Juliane Mansbacher gibt es Stolpersteine in der Sophienstraße. 

Die Initiative Stolpersteine für Lübeck veröffentlicht ihre Recherchen auf einer Website, auf der auch die Biografie der Familie Mecklenburg zu lesen ist – auf Deutsch und Englisch. So wurden Angehörige der Familie aus Holland, Deutschland, Kanada und der Schweiz auf unsere Recherchen aufmerksam und nahmen den Kontakt zu uns und auch untereinander auf. Eef de Jong, Madeleine Williamson, Wolfgang Oudotte, Vreni und Peter Ettlinger sie sind gewisslich in ihren Gedanken hier bei uns.   

Foto 19

Foto Überreste Weißes Haus in Birkenau

Stimme B

 

Das Schicksal von Hanna und Hermann Mecklenburg begleitet seit zwei Jahren die Gedenkstättenfahrten der Schülerinnen und Schüler der Cesar-Klein-Schule Ratekau und des Ostseegymnasiums Timmendorfer Strand. 

Nach ihrer Ankunft in Auschwitz-Birkenau wurden Hanna und Hermann Mecklenburg sofort zu einer der provisorischen Gaskammern, die in ehemaligen Bauernkaten eingerichtet wurden, ermordet. Die Tötungsstätten wurden nach ihrer Außenfarbe „Rotes bwz. Weißes Haus genannt.

Foto 20

Gedenkstein am Weißen Haus

Stimme C

 

Hier am Weißen Haus gedenken die Teilnehmer*innen der Fahrt den Geschwistern Mecklenburg, deren Asche in einer großen Grube hinter dem Haus verscharrt wurde, mit mitgebrachten Steinen und roten Rosen.

 

Musik 

 


 

Lesung „Hier wohnte Hanna Mecklenburg“

Samstag, 13. November 2021, 16.00 Uhr

KunstGalerie heissingsART

Mengstr. 52, Lübeck

Heidemarie Kugler-Weiemann, Initiative Stolpersteine für Lübeck

Andrea Finke-Schaak, Ostseegymnasium Timmendorfer Strand

Günter Knebel, Cesar-Klein-Schule Ratekau

Schülerinnen und Schüler der beiden Schulen

Begrüßung: Wolfgang Heissing

Einleitung: Günter Knebel

Einführung: Heidemarie Kugler-Weiemann

Musik:

Jiddische Musik, Volker Schauer

Lesung: Käthe Wieseler, Robert Jahr, Wessam Alotba

Musik

Fortsetzung der Lesung

Musik

im Anschluss: Fragen und Austausch


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6. Jahrgang bei den Karl-May-Spielen

Am Dienstag, den 28.09.2021 fuhren die 6. Klassen mit ihren Klassenlehrern Hr. Rosenberger (6a), Fr. Finke- Schaak (6b) und Fr. Nürnberg (6c) um 07:50 Uhr nach Bad-Segeberg zuden Karl-May-Spielen. Angekommen wurden sie schon gleich von den Leitern begrüßt und jedes Kind durfte sich einen Indianerhut aussuchen. Kurz darauf ging es auch schon mit der Rundführung los.
Sie erzählten uns über die Entstehung vom Theater und was hier vorher lag. Dort war wohl ein altes Schloss, doch es wurde von den Schweden zerstört.
Die Leiter sagten uns auch etwas über den Kalkberg und seine Bedeutung. Nachdem sie uns alles über die Geschichte und Entstehung berichtet hatten, durften wir uns den Stall und das sogenannte "Lightzimmer" ansehen. Wir wurden klassenweise eingeteilt, weil nicht so viel Platz im Lightzimmer war.
Die 6a und 6b durfte zuerst und wir warteten gespannt unten, aber in der Zwischenzeit konnten wir dem Führer Fragen über Karl-May stellen. Zur gleichen Zeit aber auch Fragen schreiben für das so genannte Karl-May Quiz. Nachdem alle fertig waren, war es Zeit für den eigentlichen Grund, warum wir da waren, nämlich hinter die Kulissen zu schauen!
Alle eilten auf den Kalkberg zu und wir gingen durch einen langen Gang. Dorthin, wo die Schauspieler sich immer schnell umziehen und dann mit den Pferden hinausreiten so, dass es aussah, als ob es andere Personen wären, da viele Schauspieler eine Zweitrolle besitzen. Als wir aus dem Gang rauskamen, erzählten uns die Leiter von dem Becken, das ca. 3-5 Meter tief ist.
Es wird für die Stunts benutzt, wo die Stuntmans von 15-20 Meter Höhe hinein springen. Nachdem sie uns vieles über das Becken erzählt hatten, führten uns die Leiter zu den Requisiten, die sie für die Vorstellungen benötigen. Wir durften uns alles angucken und auch anfassen. Später sind wir dann zu den Kostümen gegangen. Das Kostüm von Winnetou hat über 4000 Perlen, die alle mit Hand in einem Muster aufgenäht werden müssen. Zum Schluss zeigten sie uns noch eine große schwarze Lokomotive, und wir fuhren mit dem Bus heim.
Bericht von Joyce, Julika, Mila (6c)

Karl-May-Spiele: Hinter den Kulissen
Am Dienstag, den 28.09.2021 um 7:50 Uhr, ist unsere Klasse(6c) gemeinsam mit den anderen 6. Klassen (6a & 6b) in zwei Bussen zu den Karl-May-Spielen gefahren. Die Aufführungen dieser Spiele finden am Kalkberg in Bad Segeberg statt.
Begleitet wurden wir von unseren Klassenlehrern Herrn Rosenberger, Frau Finke-Schaak und Frau Nürnberg. Als wir ca. nach einer Stunde Fahrtzeit am Kalkberg ankamen, haben wir erstmal gefrühstückt und einen Indianer- Kopfschmuck (Stirnband mit Feder) geschenkt bekommen. Bevor wir mit der Führung hinter die Kulissen begonnen haben, erzählten uns zwei Männer, die dort arbeiten, zunächst etwas über die Karl-May-Spiele.
Zu Beginn der Führung durften wir uns die Bühne von den Sitzplätzen aus anschauen. Danach wurden wir klassenweise in Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe durfte in den Raum für die Beleuchtungen und Töne gehen. Die zweite Gruppe ist zu den Pferdeställen gegangen. Dort gab es 22 Pferde und 32 Boxen, aus denen jede Woche 18m3 ausgemistet werden. Die letzte Gruppe durfte einem Mitarbeiter verschiedene Fragen stellen. Dabei erfuhren wir, dass pro Jahr 72 Vorstellungen erfolgen. 2019 fand die letzte Karl-May-Spiel- Saison mit der Aufführung „Unter Geiern - Der Sohn des Bärenjägers“ statt. In 2020 und 2021 konnten die Karl-May-Spiele wegen Corona nicht stattfinden. 2022 soll nun „Der Ölprinz“ aufgeführt werden. Man kann ab 16 Jahren als Statist mitspielen. Für die Zuschauer gibt es 7800 Sitzplätze.
Anschließend durften wir durch kleine Geheimgänge gehen, um auf die Bühne zu kommen. Dort haben wir uns das 2.80 - 2.90m tiefe Becken angeguckt. Danach sind wir zu den Lagerstätten für Pistolen, Kostüme und zu einer Wartezone für Pferde, die demnächst ihren Einsatz haben, gegangen. Im Waffenlager hat man uns auch das Dynamit gezeigt, das aus Holz, roter Farbe und einem Seil besteht. Darüber hinaus erfuhren wir, dass zur Herstellung von Winnetous Kostüm fünf Wochen Arbeitszeit benötigt werden und es mit ca. 150.000 Perlen besetzt ist.
Danach sind wir zu der Lok gegangen und haben noch ein Klassenbild gemacht. Am Ende unseres Besuches schauten wir uns alle nochmal die Bühne an und sind mit den Bussen wieder zur Schule gefahren. Um ca. 13:00 Uhr kamen wir dort an.
Hoffentlich finden die Karl-May-Spiele wie geplant nächstes Jahr wieder statt. Bericht von Talisa und Leni, 6c

Projekt: „…dahin wie ein Schatten“ Tag 6 Sonntag, 19.09.2021

nesAm heutigen Tag sind wir wie immer früh aufgestanden und nach dem Frühstück um 8:30 Uhr noch einmal zum ehemaligen Konzentrationslager Birkenau gefahren. An unserem zweiten Tag in Birkenau war das Thema unserer Führung: Birkenau in seiner Funktion als Vernichtungslager. Als wir aus dem Bus ausgestiegen sind, war es sehr kalt und alle waren noch ein bisschen müde. Die Stimmung war bedrückt und es wurde nicht viel untereinander geredet. Wir hatten einen großen Strauß roter Rosen dabei und sind zu Fuß zum sog. Weißen Haus gegangen. Von diesem „Weißen Haus“ waren nur ein paar kaputte Ziegelsteine und die Grundmauern übriggeblieben. Hinter einem Zaun befand sich eine grüne Wiese und drei große Gedenksteine.

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Roland berichtete, dass dies die Überreste des sog. Weißen Hauses seien, benannt nach der ehemaligen Außenfarbe des Hauses. Das Weiße Haus wie auch das Rote Haus waren früher alte Bauernhäuser, die 1942 zu provisorischen Gaskammern umfunktioniert wurden. Die Häuser wurden luftdicht isoliert, sodass die Nazis hier Tausende jüdischer Menschen mit Zyklon B vergasen konnten. Die Menschen mussten sich draußen ausziehen und wurden dann zu mehreren Hunderten in die Gaskammer getrieben. Ein Sonderkommando, was aus Häftlingen  bestand, musste die Toten auf die Wiese tragen. Dort wurden ihnen noch die Goldzähne herausgebrochen, sie wurden dann verbrannt und in einem riesigen Massengrab verscharrt. Genau hier wurden auch die Lübecker Geschwister Hanna und Herrmann Mecklenburg ermordet. Wir waren alle sehr berührt und  sehr in uns gekehrt, weil wir uns im Vorfeld zu dieser Fahrt sehr intensiv mit einigen Lübecker Familien beschäftigt hatten, besonders auch mit dem Geschwisterpaar Mecklenburg. 

Lucja Nara hat dann einen Brief an Peter Mansbacher, den sie im Vorfeld der Fahrt aus der Perspektive eines Freundes geschrieben hatte, verlesen. LeAnn hat ihren Brief an Margot Prenski vorgelesen. Christoph hat ein paar Worte an  die Geschwister Hanna und Hermann Mecklenburg gerichtet. Mira hat dann einen Bericht eines Augenzeugen der Vergasungen vorgetragen. 

Wir haben dann alle eine rote Rose an den Gedenksteinen am Weißen Haus niedergelegt, und dabei an die vielen Ermordeten an diesem Ort gedacht. Die Stimmung nach dem Gedenken war bei uns allen sehr bedrückt. 

 

 

 

Nach dem Gedenken sind wir zu dem großen Denkmal auf dem Gelände von Birkenau gegangen. Das Denkmal wurde in den 60er Jahren dort errichtet, wo die beiden größten Gaskammern gestanden hatten. Von den Gaskammern sind nur noch Ruinen übrig, denn die Gaskammern wurden von der SS kurz bevor die Rote Armee Auschwitz befreit hat, gesprengt. Man wollte Beweise vernichten. Das Denkmal besteht aus mehreren Schrifttafeln in Bronze – auf jeder Tafel steht die gleiche Inschrift, aber in vielen verschiedenen Sprachen. Jede Sprache repräsentiert das Land ggf. die Länder, die viele Holocausttote zu beklagen hatten. Das Denkmal dort ist riesig. Auch dort lagen frische Schnittblumen auf den Bronzetafeln.K1024 IMG 8753

Danach sind wir über das Gelände gegangen zu der sogenannten ,,Sauna”. In der „Sauna“ vollzog sich die Aufnahme der neuen Häftlinge.

Hier durchliefen die Häftlinge verschiedene Stationen, wo sie registriert, geduscht, rasiert, desinfiziert und mit der Häftlingskleidung versehen wurden. Im letzten Raum war eine riesige Fotowand. Zu sehen waren viele Einzel- und Familienfotos aus den Beständen der Häftlinge, die ihnen hier abgenommen wurden. Die Fotos zeigten den früheren Alltag der jüdischen Familien, Fotos von Kleinkindern, Kindern beim Spielen, Hochzeitsfotos, Fotos vom Urlaub, Fotos von der Einschulung, von Familienfeiern – Fotos von Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten. Alle diese Menschen, die diese Fotos mitgebracht hatten, wurden hier getötet.

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Wir alle kennen die gigantischen Zahlen der ermordeten Menschen. Diese Fotos auf diesen riesigen Stellwänden zeigten, dass alle diese Menschen, die hier gelandet waren, Familien hatten, ein Leben hatten, uns wurde noch einmal bewusst, dass jeder Ermordete eine individuelle Geschichte hatte.  

Einzelnen von uns standen Tränen in den Augen. Ein sehr bewegender Ort, der lange auf uns nachwirkte. 

Roland führte uns dann noch zu den Krematorien II + III, die von den Nazis bei ihrer Flucht ebenfalls gesprengt wurden, und erklärte die einzelnen Funktionsabschnitte, die wir in der Nachbildung im Museum des Stammlagers gesehen hatten. In der Wirklichkeit waren die Dimensionen gewaltig, die Ruinen stehen noch so, wie sie die Rote Armee am  27. Januar 1945 vorgefunden hat.K1024 IMG 2862

Bei den Krematorien IV + V berichtete Roland von der letzten großen Vernichtungsaktion im Sommer 1944, in der über 300 000 jüdische Ungarn ermordet wurden. Am 7. Oktober 1944 gab es einen bewaffneten Aufstand des Sonderkommandos, das Krematorium IV wurde dabei teilweise zerstört. Die SS schlug den Aufstand nieder und hat über 400 Beteiligte anschließend ermordet.

Auf verschlungenen Wegen kehrten wir zurück zu unserem Bus.K1024 IMG 8744

Nach dem Mittagsessen in der Begegnungsstätte in Oswiecim räumten wir unsere Zimmer und fuhren mit dem Bus zur Franziskanerkirche der Unbefleckten Mutter Gottes in Harmeze. Dort im Kellergewölbe gab es eine riesige Ausstellung des Auschwitzüberlebenden Marian Kolodziej, der die Häftlingsnummer 432 trug. Er arbeitete in den verschiedensten Einheiten: Abbruchkommando, Kiesgrubenkommando, Straßenkommando, Industriehof II-Bauhof. Nach dem Krieg studierte er Kunst und hat als Bühnenbildner gearbeitet. Erst 50 Jahre nach Kriegsende war er in der Lage über das Erlebte in Auschwitz zu sprechen. Er verarbeitete das Grauen, in dem er das Erlebte zeichnete. Es entstand die Ausstellung „Klischees der Erinnerung. Labyrinthe“, ein unglaubliches Werk von Bleistiftzeichnungen. Wir wurden von einem Franziskanermönch durch das riesige Kellergewölbe geführt. Es waren so viele Zeichnungen dort ausgestellt, dass jeder freie Raum an den Wänden belegt war. Teilweise waren die Bilder riesig, voller Details, erschütternd und auch diese Bilder haben uns alle sehr sehr nachdenklich gestimmt. 

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Danach führen wir weiter nach Krakau. Dort bezogen wir in einem Hotel in der Innenstadt unsere Zimmer. Wir hatten dann abends vor dem Abendessen eine Stunde Freizeit und sind  in Kleingruppen durch die wunderhübsche Innenstadt von Krakau geschlendert, haben einen Blick in die berühmten Markthallen geworfen und haben uns dann in einem italienischen Restaurant zum Abendessen getroffen. Es war schön, nach diesen vielen traurigen Eindrücken während des Tages durch die beleuchtete Altstadt von Krakau zu gehen. Nach dem Abendessen sind wir alle zusammen zum Hotel zurückgegangen.  
Fortsetzung folgt …
Jette Flebbe und Cecil Sailer, 11. Jg.

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AUF IN DIE WELT-MESSE IN HAMBURG; SCHÜLERAUSTAUSCH UND GAP YEAR

Einladung

AUF IN DIE WELT-MESSE IN HAMBURG AM 04.12.2021: SCHÜLERAUSTAUSCH UND
GAP YEAR 2022

FÜR FERNWEH-BEGEISTERTE: Spezialmesse für Schüleraustausch, High
School, Internate, Privatschulen, Sprachreisen, Gap Year, Au Pair,
Colleges, Ferien- und Sommercamps, Freiwilligendienste, Praktika,
Studieren im Ausland, Work and Travel, Finanzierungs- und
Fördermöglichkeiten, Stipendien

Sehr geehrte Damen und Herren,

als gemeinnützige Stiftung bieten wir für Schüler und Abiturienten
die unabhängige Informationsmöglichkeit und Orientierung für
Auslandsaufenthalte während und nach der Schulzeit

AUF IN DIE WELT-MESSE IN HAMBURG
Schüleraustausch und Gap Year 2022
04.12.2021, 10 BIS 16 UHR
GYMNASIUM MARIENTHAL
HOLSTENHOFWEG 86, 22043 HAMBURG

Die Messe umfasst eine Ausstellung mit führenden seriösen
Austausch-Organisationen und Beratungsinstitutionen. Schwerpunkte dieser
Messe:

* Führende seriöse Austausch-Organisationen und Sprachreiseanbieter
* Auslandsaufenthalte während der Schulzeit
* Auslandsaufenthalte nach der Schulzeit
* Schüleraustausch und Gap Year in Corona-Zeiten - was 2022 geht
* Finanzierungsmöglichkeiten und Stipendien

Mit der Messe sprechen wir Schülerinnen und Schüler von der
Klassenstufe 7 bis zum Abitur, ihre Familien und Pädagogen an.

Gerne können Sie diese Einladung an interessierte Schüler, Eltern und
Pädagogen in Ihrem Umfeld weiter geben.

Informationen zur Messe und zu unserem Hygienekonzept für den sicheren
Messebesuch www.aufindiewelt.de/messen/04122021-hamburg [1]

DER EINTRITT IST KOSTENFREI.

Messe-Flyer zum Herunterladen [2]

An diesem Tag keine Zeit?

Die Übersicht aller AUF IN DIE WELT-Messen 2021/2022 [3]

Termin-Übersicht 2022 zum Herunterladen [4]

Mit freundlichen Grüßen

_DR. MICHAEL ECKSTEIN_
Deutsche Stiftung Völkerverständigung

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Deutsche Stiftung Völkerverständigung | info(at)aufindiewelt.de

 

Links:
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Projekt: „…dahin wie ein Schatten“ Tag 5 Samstag, 18.09.2021

Samstag, 18.09.2021

 

Am Samstag, dem 18.09, sind wir morgens in das ehemalige KZ Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II) gefahren.K1024 IMG 8734

Unsere erste Station in Birkenau war die sog. Alte Rampe, eine Bahnrampe, dort standen noch zwei Viehwaggons, mit denen Tausende von Menschen nach Birkenau fahren mussten.

Dort legten wir auch – ein alter jüdischer Brauch – unsere von der Ostsee mitgenommenen Steine ab. In diesem Moment und bei dem Gedanken, dass das Leben von so vielen Familien ab diesem Zeitpunkt auf grausame Weise zu enden begann, kamen mir immer wieder die Tränen.K1024 IMG 8731

Hier zwei Steine – einen für die Familie von Frau Atzmon und einen für die Familie von Frau Szepesi. Frau Atzmon und Frau Szepesi waren unsere Gäste am Holocaust-Gedenktag.

 

In Birkenau waren wir als erstes in den Frauenbaracken.

Es war sehr erschreckend zu sehen, wie viele Frauen unter welchen Umständen in den „Betten“, welche mit Glück einfache Holzbretter waren, schlafen und leben mussten. Mit Pech war der Untergrund die kalte Erde, und bei richtig viel Pech, gab es dann noch nicht einmal Stroh zum Wärmen. Es wurden immer drei Etagen übereinander in die Mauern eingelassen. In diesen „Betten“ mussten dann bis zu 9 kranke, verlauste, frierende und abgemagerte Menschen schlafen.

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Nach den Frauenbaracken haben wir uns die Sanitäranlagen angeschaut. Diese Sanitärbaracken gab es nicht von Anfang an, wie wir erfahren haben, waren doch Auschwitz und insbesondere Birkenau ewige Baustellen, die Sanitäranlagen wurden erst sehr spät eingerichtet. Davor gab es Abflussrinnen oder Latrinengruben unterm freien Himmel und überall lag Dreck herum. Der Gestank muss furchtbar gewesen sein.

Am schlimmsten waren für mich die Kinderbaracke. An den Wänden der Kinderbaracke wurden Malereien aufgetragen, damit sich die Kinder „wohler“ fühlen.

K1024 IMG 2824Auch die Kinder mussten genau wie die Frauen unter den gleichen menschenunwürdigen Umständen in solchen Betten leben. Wenn man aber – wie oben geschrieben - Pech hatte, musste man auf dem Lehmboden schlafen, welcher im Winter gefroren war und der ganze Schmutz von den oberen Etagen fiel auf die ganz unten liegenden Kinder herunter.
Die Vorstellung und mit eigenen Augen zu sehen, dass Kinder, getrennt von ihren Müttern, so „leben“ mussten, hat uns alle wirklich schockiert

 

Anschließend sind wir zu den Männerbaracken gegangen. Auf unserem Rundgang beschäftigte uns immer wieder das Thema „Die Schuld des Überlebens“. Denn jeder Bissen Brot, welchen ein Überlebender isst, bekommt ein anderer nicht. Und genau dieser andere hätte vielleicht genau diesen einen Bissen zum Überleben brauchen können. Außerdem plagte Überlebende immer wieder die Frage „Warum ich? – Warum durfte ich überleben und ein anderer nicht? Warum mussten meine Kinder, meine Frau, meine Familie sterben? Und wieso darf ich jetzt weiterleben?“

K1024 IMG 2832Wir haben viel an diesem Tag über Birkenau gelernt, aber was uns alle überwältigt hat, war die Größe dieses Lagers, was unsere Vorstellungen bei weitem übertroffen hat. Wir haben auch begriffen, dass die Qual der Häftlinge dort noch so viel schlimmer gewesen sein muss, als ich es mir jemals vorstellen könnte. Außerdem sind uns Dinge, wie Krankheiten im Lager oder das Zusammenleben mit Insekten, Ratten, Bakterien und vieles mehr, bewusst geworden, über die wir uns vorher gar keine Gedanken gemacht haben.

Ebenso sind wir über die Häftlingshierarchie aufgeklärt worden. Die Häftlinge, die am längsten schon dort waren und die eine sehr niedrige Häftlingsnummer hatten, hatten ein gewisses Ansehen unter den Mithäftlingen. Manche von ihnen haben ihre Macht ausgenutzt, indem sie zum Beispiel bei der Essensausgabe ihren Bekannten als erstes die Suppe gegeben haben. Die Personen zum Schluss bekamen mit Glück eine alte Kartoffelschale oder letze Gemüsestückchen und nur noch die braune Brühe. Daher hatte man als Häftling eine bessere, beziehungsweise höhere Lebenschance, wenn man eine gute Verbindung mit diesen „alten Häftlingen“ pflegte.
K1024 IMG 2834Zwischendurch erzählte uns unser Guide Roland bemerkenswerte und schönere Geschichten von mutigen Menschen, wie zum Beispiel von Adélaide Hautval, die als französische Ärztin in Auschwitz u. a. mit Mengele arbeiten sollte, sich aber weigerte und sich stattdessen für jüdische Häftlinge einsetzte.
Eine weitere Station auf unserem langen Rundgang war das „Theresienstädter Familienlager“. In diesem Teil des Lagers wurden Familien aus dem Vorzeigekonzentrationslager Theresienstadt untergebracht. Für diesen Teil des Lagers hieß es „Sonderbehandlung in 6 Monaten“, das wussten die Insassen aber nicht. Sonderbehandlung ist „Nazisprache“ und bedeutet Vergasung. In dieser Sektion des Lagers Birkenau durften tatsächlich die Familien zusammenbleiben. Der Sinn dahinter war, dass die Familien Postkarten an Verwandte schreiben sollten, in denen stand, dass es ihnen in Birkenau gut ginge. Nach Ablaufen der 6 Monate wurden die Familien dann genauso vergast wie alle anderen Häftlinge.
Wir erfuhren außerdem viel über Freddy Hirsch.

Dieser lebte auch in Birkenau und hat sich sehr um den Kinderblock gekümmert. Freddy Hirsch sollte dann mit den Häftlingen im Familienlager, einen Aufstand organisieren. Doch vor Verzweiflung und Angst diesem Auftrag nicht gewachsen zu sein, nahm er sich das Leben. Daher konnte dieser Aufstand nicht stattfinden.
Danach gingen wir in die den Block der Strafkompanie und in das sogenannte „Zigeunerlager“. Hier hat der bekannteste KZ-Arzt in Auschwitz, Josef Mengele, Kinder der Sinti und Roma für seine pseudomedizinischen Versuche selektiert. Im sog. „Zigeunerlager“ schauten wir uns das dortige Mahnmal an.

 

K1024 IMG 2842Die Juden, die in der Strafkompanie arbeiteten, mussten die vergasten Leichen aus den Krematorien herausholen und ihnen die Goldzähne herausbrechen, ggf. die Haare scheren und sie schließlich in den Öfen verbrennen.

Abends, als wir wieder in der Jugendbegegnungsstätte waren, haben wir uns dann mit der Täterfrage auseinandergesetzt. – Wer waren die Täter? Wie lebten sie? Und vor allem wie kann man Kindern, Frauen und Männern so etwas Unvorstellbares und Grausames antun? Wieso sind Menschen zu solchen Tätern geworden? Wir lernten etwas über Rudolf Höß, Irma Grese, Karl Höcker und Josef Mengele, indem wir uns mit ihren Biografien beschäftigten. Wir lasen auch Auszüge aus den Verhören dieser Täter und waren schockiert, weil alle – sogar der Lagerkommandant Höß – behauptete, er hätte nicht gewusst, was genau in seinem Lager geschieht. Wir waren alle ziemlich nachdenklich.
Anschließend beendeten wir den Abend mit einer kleinen Reflexionsrunde.
Fortsetzung folgt …

LeAnn Diestel und Paula Lücke, 12c

 

Fotogalerie vom 5. Tag 

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Projekt: „…dahin wie ein Schatten“ Tag 1 Dienstag, 14.09.2021

Am 14. September 2021 trafen wir, 10 Schüler*innen des Ostsee-Gymnasium Timmendorfer Strand, 9 Schüler*innen der Cesar-Klein-Schule sowie eine Schülerin des Katherineums zu Lübeck und unsere drei begleitende Lehrkräfte, Frau Finke-Schaak, Frau Düppe und Herr Knebel, uns an der César-Klein-Schule in Ratekau. K1024 IMG 8523Das war der Beginn unserer Fahrt zur Gedenkstätte Ausschwitz nach Oświecim, auf die wir alle sehr gespannt waren und auf die viele auch schon länger warten mussten, da die Fahrt schon zweimal aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste. Daher war jeder von uns sehr froh, dass es dieses Mal endlich geklappt hat.K1024 IMG 8428
Unser erster Stopp war Berlin. Um ca. 12 Uhr erreichten wir unser Hostel Pfefferbett im Stadtteil Prenzlauer Berg.
In Berlin ging es um die Begegnung mit jüdischem Leben vor und während der NS-Zeit sowie um das Thema Berlin im Faschismus.
Unser Programm begann mit der Stadtführung „Faschismus im Stadtbild“. An der Humboldt Universität trafen wir unseren Guide Jeffrey.
Wir standen am Platz, wo tausende Bücher jüdischer Schriftsteller und Bücher mit verbotenen Inhalten verbrannt wurden. Als Denkmal an dieses Ereignis war im Boden dieses Platzes ein Raum eingelassen, in welchem leere weiße Regale standen. Man konnte sie durch eine Glasscheibe im Fußboden sehen. Dieses Mahnmal fanden wir alle sehr ausdrucksstark.K1024 IMG 8437
Es ging weiter durch die Straßen Berlins, wo wir verschiedenste Orte sahen, welche in der NS-Zeit auf irgendeiner Weise Bedeutung erlangten. So gingen wir beispielsweise zum Hausvogteiplatz, wo im Jahre 2000 das Erinnerungsmal „Denkzeichen Modezentrun“ eingeweiht wurde. Hier waren seit dem 19. Jhdt. viele jüdische Modegeschäfte ansässig, die dann nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Ziel zahlreicher Aggressionen und gravierender Diskriminierungen waren. Behinderungen in Form von Boykottwachen uniformierter SA-Truppen, die vor den Ladentüren potenzielle Kunden nicht hineinließen und bedrohten, waren an der Tagesordnung. Um die Geschäftsleute zum Aufgeben ihrer Läden und somit ihrer Existenz zu bewegen, wurden Verordnungen und Erlasse zur Behinderung der Geschäftsfähigkeit veranlasst. Diese Schikanen hatten ihren traurigen Erfolg: Juden mussten ihre Betriebe weit unter Wert verkaufen. Das heutige Mahnmal besteht aus zwei Teilen: Auf dem Platz stehen drei Standspiegel aus Edelstahl, die an Ankleidespiegel erinnern. In der Mitte davonbefinden sich im Boden drei metallene Texttafeln, die über die Bedeutung und das Schicksal der jüdischen Unternehmer und Angestellten informieren, die hier tätig waren. Der zweite Teil des Denkmals ist auf den Stufen des U-Bahn-Ein- und Ausgangs zu finden. Auf 19 Schildern sind hier jüdische Unternehmen aus der Umgebung aufgelistet, die jeder U-Bahnbesucher, der die Stufen hinaufsteigt, lesen muss. Wir fanden das Thema ausgesprochen treffend umgesetzt. Eine würdige Erinnerung.K1024 IMG 8469
Hier unser Besuch der Neuen Wache Berlin. Die Neue Wache diente bis 1918 als "Haupt- und Königswache" und wurde trotz aktiver Benutzung als ein Denkmal für die "Befreiungskriege" verstanden. Im Jahre 1931 bestimmte Reichspräsident Paul von Hindenburg, dass aus dem Gebäude ein Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges entstehen sollte. Nachdem die Wache im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde, ließ die DDR-Führung das Gebäude rekonstruieren und im Jahre 1960 zu einem Mahnmal für die Opfer des Faschismus und des Militarismus umgestalten. Im Innern brannte eine "Ewige Flamme" über den Urnen eines unbekannten KZ-Häftlings und eines unbekannten Soldaten. Seit 1993 befindet sich im Innern die Skulptur "Mutter mit totem Sohn" von Käthe Kollwitz und erinnert an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.
Die Tour endete an der Mohrenstraße, wo damals das Reichsluftwaffenministerium stand. Nach der Rückkehr ins Hostel, teilten wir die Zimmer ein und machten uns bereit für den Besuch des Jüdischen Museum Berlins.
Unsere Gruppe wurde in zwei Teile geteilt, jede Gruppe wurde von einem Guide durch die ausdrucksvolle Ausstellung geführt. Als aller- erstes erschlug uns die unfassbare Architektur, welche sich durchs ganze Gebäude zog und Rückschlüsse auf den Inhalt des Museums schließen ließ.
Die zwei Führungen drehten sich um die Themen Égalite und Katastrophe. Wir erfuhren über das jüdische Leben in Deutschland vor dem 18 Jahrhunderts. Außerdem betraten wir den Garten des Exils. Dieser Eindruck war unbeschreiblich, man fühlte sich klein und erdrückt. Der unebene Boden machte es einem schwer, Halt zu finden. Die Tour war sehr bewegend und öffnete einem die Augen über das vielfältige jüdische Leben vor der Zeit des Nationalsozialismus. Unser Guide war ein älterer Jude. K1024 IMG 8497
Als wir in einen Museumsraum eintraten, an deren Wand Bildschirme ausgestellt waren, auf denen verschiedene jüdische Personen, die heute in Berlin leben, zu sehen und zu hören waren und diese Bildschirmpersonen plötzlich ein jüdisches Lied sangen, sang unser Guide mit. Das war eine besondere schöne Stimmung.
Wir ließen den Abend als Gruppe in einem indischen Restaurant, wo wir unser Abendessen einnahmen, ausklingen. Wir sprachen viel über unsere Eindrücke und genossen die Zeit zusammen. Es war ein sehr ereignisreicher Tag und ein guter Start in die Thematik unserer Reise.
Fortsetzung folgt …
Mira Pruss, Q2c

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Sozialkompetenztraining der Klassen 5 und 6: „Allein ist man stark, gemeinsam unschlagbar“

Jahrgang 5 – „Gemeinsam Klasse werden“

Nach einer Zeit des Ankommens und der Eingewöhnung veranstalteten wir mit den Schülern des 5.Jahrgangs unser Sozialkompetenztraining. 

Schon lange im Vorfeld beobachteten wir das Sozialverhalten der neuen 5. Klassen auf unserem Schulhof und konnten uns somit ganz gezielt auf tatsächlich aktuelle Themen und Schwerpunkte in der Präventionsarbeit festlegen. Ziel unseres Sozialkompetenztrainings war, dass die Schüler*innen über verschiedene Rollenspiele erleben, welche Auswirkungen es haben kann, wenn man die Ich-Kultur nicht verlässt.

Projekt: „…dahin wie ein Schatten“ Tag 7 Montag, 20.09.2021

Montag, 20.09.2021

 

Begonnen hat unseren Tag in Krakau mit einem Zeitzeugengespräch mit Lidia Maksimovic.

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Sie ist als 3 Jährige nach Auschwitz-Birkenau in die Kinderbaracke gekommen. Sie stammte aus Ostpolen nahe der Grenze zur Sowjetunion, ein Gebiet, in dem viele Partisanen kämpften. Die Familie kam nach Auschwitz-Birkenau nicht weil sie Juden waren, sondern weil in ihrem Gebiet Partisanen den Widerstand gegen das NS-Regime gewagt hatten. Lidia wurde von ihrer Mutter getrennt, ihre Mutter kam ins Frauenlager. Während ihrer Zeit im Lager war sie ein Versuchsobjekt für den Lagerarzt Josef Mengele. An ihr wurden Versuche mit Impfstoffen und mit Augentropfen zur Änderung der Augenfarbe durchgeführt. Bis zum heutigen Tag leidet sie an den Spätfolgen dieser medizinischen Experimente. Kurz vor der Befreiung durch die Rote Armee wurde ihre Mutter auf einen Todesmarsch in Richtung Westen geschickt und endgültig von ihrer Tochter getrennt. Berührend war die Episode als Lidia erzählte, dass sich ihre Mutter kurz vor der Abreise mehrmals zur Kinderbaracke schlich (was lebensbedrohlich war) und ihrer kleinen Tochter einbläute, wie sie heiße und wann sie geboren sei. Die Mutter wollte verhindern, dass das Kind ohne Identität aufwachsen müsse. Erst 17 Jahre nach der Befreiung und nach zahlreichen fehlgeschlagenen Findungsversuchen fanden die zwei sich letztendlich wieder. Lidia war nach der Befreiung von Auschwitz-Birkenau von einer polnischen Familie adoptiert wurde. Sie dachte, ihre Mutter sei nicht mehr am Leben. Nachdem Mutter und Tochter wieder zusammengeführt wurden, was ein riesiges Medienevent damals war, ging Lidia wieder zurück zu ihrer Adoptivfamilie nach Polen, während ihre Mutter in Moskau blieb.

K1024 IMG 8810Das Gespräch war sehr berührend, und besonders ihre Geschichte nach der Befreiung nahm uns alle sehr mit. Anschließend hatten wir noch eine anregende Fragerunde und machten noch ein gemeinsames Erinnerungsbild.

Nach dem Gespräch sind wir zum Ghettoplatz gegangen und haben über die Geschichte des jüdischen Ghettos in Krakau und des Ghettoplatzes gesprochen. Dabei haben wir erfahren, wie das Ghetto aufgebaut war, wie es organisiert wurde und wie die Lebensbedingungen dort waren. Das Ghetto wurde genutzt, um alle Juden aus Krakau dort auf viel zu engem Raum einzupferchen und anschließend nach und nach in verschiedenste Konzentrations- und Vernichtungslager zu transportieren. Diese Informationen waren neu für uns und wir waren alle wieder einmal sehr erschüttert von der Grausamkeit des NS-Regimes.K1024 IMG 2950

Daraufhin sind wir mit der S-Bahn zum Lager Plaszow gefahren, welches man vielleicht aus dem Film Schindlers-Liste kennen könnte.

Vom Lager selbst ist eigentlich nichts mehr zu sehen, lediglich ein Kommandantenhaus steht noch auf dem ehemaligen Gelände.


Wir haben viel über die Geschichte des Lagers erfahren und haben über den Lagerführer Amon Göth gesprochen, welcher sehr berüchtigt war und die Häftlinge sehr grausam behandelte.

Die Fahrt ließen wir abends mit einem leckeren Essen in einem jüdischen Restaurant ausklingen. Eine jüdische Klezmer Band spielte Live-Musik.K1024 IMG 2973

Um 22 Uhr haben wir die Heimreise angetreten. Diese war erst am nächsten Tag um fast 13 Uhr zu Ende.

Nach dieser anstrengenden Fahrt waren wir alle einerseits glücklich, dass wir nun endlich in unsere Betten steigen konnten, wir waren aber auch traurig, dass nun unsere Fahrt zu Ende ging. Nachdem wir uns von unseren neu-gefundenen Freunden verabschiedet haben, fuhren wir schließlich alle sehr müde, sehr nachdenklich und mit unglaublich vielen neuen und nicht immer leicht zu verdauenden Eindrücken nach Hause. Auschwitz-Birkenau – das ist uns allen sehr klar geworden – ist ein schweres geschichtliches Erbe – das, was in vielen von uns vorging, ist schwer in Worte zu fassen.

 

Jannis Walz und Christoph Speer, Q2b

 

Fotogalerie vom 7. Tag 

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